Hoffnung

Impuls vom Flüchtlings-Seelsorger

Thomas Guntermann (c) Bistum Aachen
Datum:
Fr. 16. Apr. 2021
Von:
Georg Nuño Mayer

Menschen leben auch aus Träumen und aus Hoffnungen für die Zukunft - in Not können diese Ermutigung sein, aufzubrechen und Neues zu suchen.

Manche Menschen, die sich aufgemacht haben, hatten zuvor viel verloren: ihre Eltern, Partner, Kinder, Geschwister, Freund:innen, Nachbar:innen, ihre kulturelle und religiöse Heimat, ihre Existenzgrundlage, ihre Unversehrtheit - und das, was sie Daheim und auf der Flucht erlebten, hat viele von ihnen traumatisiert.

Einige der bei uns Angekommenen habe ich gefragt, wovon sie träumen, was sie sich erhoffen – hier einige der Antworten (zusammengefasst und in meinen Worten):

Ich hoffe .. - .. hier frei und sicher leben zu dürfen .. auch morgen genug zu essen und sauberes Wasser zu haben für meine Kinder .. gut deutsch sprechen zu können .. freundliche Nachbarn zu finden, die auch mal mit mir reden .. Freunde zu finden, auch deutsche Freunde .. dass es meinen Kindern gut geht .. dass wir hier lernen, in Frieden zu leben, .. nicht in die Hölle zurück zu müssen .. dass der Hass aufhört .. dass der Krieg vorbei ist, und dass die Zurückgebliebenen überleben .. dass ich keine Angst mehr haben muss, weil ich anders denke oder bin .. dass ich schlafen kann und nicht mehr von schrecklichen Erinnerungen aufwache .. arbeiten zu dürfen und Euch Deutschen das Geld zurückzahlen zu können .. dass ich eines Tages wieder soviel habe, dass ich selber helfen kann, wie damals in meiner Heimat, wo ich gerne viele Gäste hatte und Menschen versteckt hatte, weswegen ich fliehen musste .. .. .. ..

Ich habe im Laufe von 6 Jahren Männer und Frauen und diverse, minderjährige Alleinreisende, Mittelalte und ganz Alte, Jesiden, Aleviten, Christen, Muslime, Bahai und andere, aus vielen Kulturen und Nationen, Analphabeten und Univeritätsgelehrte, Bauern und Lehrer, weiße, mischhäutige und Schwarze etc.pp. kennen und schätzen gelernt - und sie nach ihren Träumen und Hoffnungen befragt – haben Sie erkannt, wer welche Antwort gegeben hat?

Nein, denn das geht auch nicht, weil es alles Gottes Kinder sind, mit den gleichen Träumen vom Paradies - nicht erst im Jenseits.

Machen wir uns an die Arbeit, die Gott uns allen mithilfe all seiner / ihrer Prophet:innen immer wieder aufgetragen hat: Leben wir die Hoffnung, dass wir nicht nur Brüder und Schwestern sind, sondern uns auch so verhalten, so seien wir Segen für alle ..

 

in herzlicher Verbundenheit,

Ihr Thomas Guntermann, Flüchtlings-Seelsorger

E-Mail: thomas.guntermann@bistum-aachen.de     

Telefon: 0172 4531880