Effata

Wochenimpuls-Foto-210905-Ohr (c) Edith Furtmann
Datum:
So. 5. Sep. 2021
Von:
Edith Furtmann

Mk 7, 34bf
„(Jesus) seufzte und sagte zu ihm: Éffata!,
das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit
und er konnte richtig reden.“
In letzter Zeit fehlen mir immer häufiger die Worte. Ich verschließe die Ohren und kann es nicht mehr hören: Die Flut im Ahrtal und die Hinweise darauf, dass man Menschen hätte retten können, wenn man frühzeitiger gewarnt und evakuiert hätte. Die Menschen in Afghanistan, die man hätte retten können, wenn man im Juni, als die Grünen das Thema aufbrachten, nicht parteipolitisch nein, sondern menschlich ja gesagt hätte. Die Brände, Dürren und Fluten überall auf dieser Welt, insbesondere in den letzten Tagen auch in New Oreleans und New York, Städte, die ich 2018 besuchen durfte und wo es mir jetzt besonders nah kommt. Und die Weigerung vieler, die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu verstehen.
Jesus hat dem Taubstummen die Ohren geöffnet, er hat seine Zunge gelöst und er konnte richtig reden, heißt es im Evangelium des heutigen Sonntags. Ich wünschte mir so einen Jesus, der mich lehrt, genau hinzuhören statt die Ohren zu verschließen vor der Flut der Informationen, die auf mich einprasseln. Einen Jesus, der mich lehrt, hinzuschauen auf die Bilder, die ich nicht mehr sehen mag, weil sie so grausig sind. Einen Jesus, der mich lehrt, die richtigen Worte zu finden statt viele Wörter zu machen, ohne was zu sagen.

Wenn mir Worte fehlen
stürze ich mich auf Wörter

Wenn mir alles zu viel wird
verschließe ich meine Ohren

Ich will nichts mehr hören

Ich kann nichts mehr sagen

Hilflos drifte ich durch die laute Stille


Aus meinen Wörtern
sollen Worte werden
Meine Ohren will ich öffnen
hinhören und zuhören
Meine Augen nicht verschließen
sondern hinsehen


Dann wird meine Hilflosigkeit
sich wandeln
ich werde hören und sehen
wo Hilfe not tut
ich werde Worte finden
die aufrütteln
trösten
helfen  
(EF 9/2021)