Zeit zum Reden

Gelungene Premiere des „Meet & eat“ mit Bischof Helmut Dieser in Viersen

Charmant weist Christoph Lohschelder darauf hin, dass leider die Redezeit überschritten ist. (c) Arne Schenk
Di 6. Mär 2018
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2018 | Arne Schenk
„Wir müssen reden…“ Plakativ ziert der Spruch die Servietten auf den Tischen in der Generatorenhalle Viersen. Zum persönlichen Austausch mit Bischof Helmut Dieser haben sich 140 Redewillige gemeldet.
Regionaldekan Johannes Quadflieg nutzt die Zeit, um mit den Laien ins Gespräch zu kommen. (c) Arne Schenk

Das Motto lautet „Meet & eat“, ein lockeres Treffen bei gemeinsamem Essen. Was auf Neudeutsch daherkommt, besitzt eine lange Tradition mit sozialer, politischer und erzieherischer Funktion. So pflegte auch Jesus von Nazaret gerne dieses Mittel als verbindendes Element gerade mit Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Eucharistie – das allerheiligste Altarsakrament – ist nicht umsonst wesentlicher Bestandteil christlicher Gemeinschaft. Unter besagtem Motto begibt sich der Bischof auf „Küchentisch-Tour“ durch die Regionen zunächst nach Viersen, ehe er am Dienstag, 17. April, von 18 bis 22 Uhr im Stadtwaldhaus Krefeld zu Gast ist.

Damit möglichst viele Gäste die Chance zum Gespräch erhalten, sind Plätze in den Tischreihen für den Bischof reserviert. Ein striktes Protokoll wacht darüber, dass er nicht zu lange an einem Platz verweilt. Allerdings weist Christoph Lohschelder vom Koordinationsbüro „Heute bei dir“ darauf hin, dass eine tiefere Kommunikation womöglich nicht zustandekommt. Obwohl sich Bischof Helmut jeweils mindestens vier Stunden den Menschen an den besuchten Orten widmet, sind es de facto im Schnitt lediglich 10 bis 15 Minuten, in denen er sich mit den einzelnen Runden beschäftigen kann. Vorrang habe das, was den Gästen auf dem Herzen brennt, erklärt der Oberhirte. Er wolle aber auch die Gespräche in der Hörrichtung verfolgen: „Wie geht es mir eigentlich? Was ist mir wichtig? Und was suche ich eigentlich bei der Kirche, so dass sie meine ist oder noch mehr wird?“

 

Weites Spektrum an Themen

Von nicht mehr geübten katholischen Praktiken, Urnenbestattungen in der Kirche bis zur Öffnung in Richtung Ökumene reicht das weite Spektrum an Themen. Zuweilen sprudeln in einem Redeschwall unterschiedliche Aspekte irgendwie miteinander verknüpft aus dem Gegenüber heraus, so dass Bischof Dieser das Gesagte erst einmal entwirren muss. So auch bei der Mutter zweier Kinder, die neben der Abwesenheit von Priestern vor Ort auch die mangelnde katholische Erziehung von Kindern, das nicht genug geschätzte Engagement von Ehrenamtlern, mangelndes Verständnis zwischen Jung und Alt sowie die fehlende Unterstützung für den eigenen Einsatzwillen monierte. „Ich höre ganz viel“, entgegnete der Bischof, „ich höre ein riesiges Gesprächsproblem.“ Dann tastete er sich weiter vorwärts. Ein Punkt war, dass der Pfarrer wichtige Dinge liegen lässt, um wenig wichtigere umzusetzen, ein Umstand, der immer wieder zur Sprache kam. Gerade „verwaiste“ Gemeinden kritisieren, dass den Geistlichen ein Übermaß an Verwaltungsarbeit aufgebürdet werde, sodass sie zu ihrem eigentlichen Kerngeschäft, der Seelsorge, kaum noch Zeit fänden.

 

Mehr tun und mehr sein lassen

Auch eine Erzieherin bemängelte, dass sich Priester fast nie in ihre Einrichtung begäben: „Ich möchten den Kindern einen Priester zeigen können“, zumal der Nachwuchs sehr interessiert sei, christliche Symbole und Zeremonien, wie das Kreuzzeichen, zu erlernen. Für den laufenden Prozess bedeute dies laut Aussage von Bischof Helmut: „Was muss ein Priester künftig auf jeden Fall tun, mit gutem Grund mehr tun als heute, mit gutem Gefühl, und was muss er mit genau so gutem Gefühl endlich mal sein lassen?“ Derweil lief die Kommunikation zwischen Köstlichkeiten à la gratinierten Sahnekartoffeln mit mediterranem Ratatouille und Hähnchen im Parmesan-Ei gebacken sowie Panna Cotta mit Erdbeer- mousse und dem Klassik-Jazz von Saxophon und Keyboard des Duos Brandt-Flamm auch an den übrigen Tischen munter fort.

Dies sei für die Gemeinden sehr positiv, erklärt Regionaldekan Johannes Quadflieg, hier säßen auch Vertreter der einzelnen Gemeinschaften der Gemeinden an einem Tisch. „Die GdG tauschen sich nicht so viel aus“, erzählt er, zumindest abseits des E-Mail-Verkehrs. Da er als Dekan eher mit den Hauptamtlichen zu sehr strukturierten Themen zusammenkäme, sei auch für ihn selbst der Austausch gerade mit Laien sehr informativ: „Man hört da noch mal ganz anders heraus, was in der Gemeinde und in der GdG los ist.“ Damit scheint auf alle Fälle ein Vorhaben des Abends laut Christoph Lohschelder gelungen: „Es geht uns nicht nur darum, dass der Bischof jedem sein Ohr leiht, sondern auch einen Kommunika- tionsort zu schaffen.“

 

Mehr im Internet unter www.heute-bei-dir.de.