Traditionen weitergeben

Die Messdienergruppe von St. Bartholomäus Niederkrüchten kommt seit 20 Jahren als Nikolaus in Haus

Alina (v r.), Annalena, Max, Barbara und Nico gehören zum „Nikolaus-Team“ in Niederkrüchten. (c) Dorothée Schenk
Di 26. Nov 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 48/2019 | Dorothée Schenk

Lautes Lachen schallt aus der Sakristei von St. Bartholomäus in Niederkrüchten. Es ist Anprobe. Immer wieder lösen sich kleine Härchen aus dem Rauschebart und landen im Mund des „Nikolaus’“, der damit seine liebe Not hat. Adrett daneben stehen in lange weiße Gewänder gekleidete Engel und „schlüpfen“ in die Flügel. Nur „Hans Muff“ ist bereits fertig schwarz geschminkt, so dass einzig das Weiße des Auges einen Lichtpunkt markiert. 

Seit über 20 Jahren gibt es in dieser Gemeinde am Niederrhein die Tradition, dass die Messdiener zu Nikolaus ihre Dienste anbieten. Familien können den „Nikolaus“ über das Pfarrbüro buchen, wo auch die Koordination stattfindet. Immerhin sind in diesem Jahr rund 50 Termine abzustimmen in der kurzen Frist zwischen 5. und 7. Dezember. Mit im „Service“ sind nicht nur der bischöflich gewandete heilige Mann mit Mitra und Hirtenstab, der traditionell von Hans Muff begleitet wird, sondern eben auch Engel. Sie sehen nicht nur malerisch aus, sie haben auch eine Aufgabe. Wenn die Kinder, die besucht werden, etwa kein Gedicht vorbereitet haben, tragen die Engel aus einem eigens mitgebrachten Buch Verse vor oder singen mit der Familie – wenn das gewünscht ist.

Natürlich gibt es aus der Hand des Nikolaus die vorbereiteten Geschenke, die die Familie griffbereit vor der Türe platziert und die in den Sack von Hans Muff gepackt werden. Außerdem haben die Eltern in der Hand, worüber der Nikolaus mit den Kindern spricht. „Bitte geben Sie uns auf einem gut leserlichen Papier in großer Schrift bis spätestens 2. Dezember abends einige Informationen“, heißt es auf dem Flyer. Dazu gehören neben Namen und Alter des oder der Kinder, was zu ihnen zu sagen ist. Im „goldenen Buch“ werden die Seiten eingelegt und dienen so als „Spickzettel“.

Großen Respekt genießt diese heilige Allianz, erzählt Max, der einige Male als Hans Muff im „Team“ war und jetzt als 18-Jähriger zum zweiten Mal den Nikolaus gibt. Dass es kein „alter Mann“ ist, der vor ihnen steht, hat noch kein Kind bemerkt. Das wundert selbst Diakon Johannes Gillrath, der seit 30 Jahren die Messdiener-Arbeit begleitet und diese Nikolaus-Tradition initiiert hat. Auf die Frage nach dem „Warum?“ gibt er eine ganz einfache Antwort: „Es ist mir ein wichtiges Anliegen – und uns in der Gemeinde – dass die Jugendlichen versuchen, Traditionen wahrzunehmen, sie auch zu leben, und diese Traditionen an andere weiterzugeben.“

 

Für die Besuche gibt es eigene Proben und Regieanweisungen

Nikolaus Max erklärt den Ablauf: „Ich erzähle dann immer, dass der Nikolaus in der Stadt… Wie hieß sie noch gleich?“ Er blickt fragend zu Diakon Gillrath. Der kann sich das Lachen kaum verkneifen und antwortet: „Myra! Max, du musst dich, glaube ich, nochmal einlesen.“ „Nee, nee, ich hab den Zettel vor mir, dann ist alles gut. Ich weiß es genau: Es war eine Hungersnot, und dann kamen die Schiffe, die zum König fuhren, komplett voller Weizen, dann hat der Nikolaus da was abgekupfert.“ So haben die Kinder die Geschichte bestimmt auch noch nie gehört – und werden sie natürlich auch nicht, denn bis zum Nikolaustag sitzt der Text inklusive Regieanweisung wieder sicher.

Dafür gibt es vor dem Besuchsmarathon zwei Extra-Probetermine. Schließlich gilt, so bringt es Gillrath auf den Punkt: „Es kommt darauf an, es schön zu gestalten, und unser christliches Erzählgut ist das Eigentliche, das im Mittelpunkt steht.“ Denn dieses Gut, das ist die Erfahrung aus den letzten 20 Jahren, geht immer mehr verloren. „Wer kann die Legenden wirklich erzählen? Intellektuelle, die sich ein Buch nehmen, oder ältere Leute, die sie noch kennen“, resümiert der Diakon. 

Ein zweites Anliegen ist von Anfang an Intention des Nikolaus-Services, nämlich, „dass die Jugendlichen in allem, was sie tun, selbstständig werden“. Im wahrsten Sinne ein Selbstläufer ist die Aktion inzwischen, die von der Messdienergruppe selbst organisiert wird. In den ersten Jahren ist Diakon Gillrath noch mitgegangen. Das ist nicht mehr notwendig. „Ich bin der Springer, falls mal wer ausfällt.“ Als Hans Muff? Er grinst: „Nein, das nicht. Ich war immer in der würdigsten Rolle.“ Das wird in diesem Jahr nicht notwendig sein. Gleich vier Nikoläuse bereiten sich auf ihre „Auftritte“ vor. 

 

Ein Teil der Spende geht nach Brasilien 

In zwei „Teams“ sind Messdiener an den Abenden zwischen 16.30 und 21 Uhr unterwegs. „Wir kommen aber nicht mit dem Schlitten“, sagt der gut gelaunte Nikolaus Max. Jeweils 25 Minuten pro Besuch werden veranschlagt; fünf Minuten sind im Zeitplan für die Fahrtzeit reserviert. Eine Mindestspende von 20 Euro halten die Eltern für den jugendlichen  Bischof und seine Begleitung bereit.  Diese fließen, wie die Erlöse aus anderen Aktivitäten, in die Messdienerarbeit –  allerdings nicht vollständig. Einen Teil spendet die Gemeinschaft immer an ein Hilfsprojekt in Brasilien. 

Wer jetzt noch Interesse am „Nikolaus“ hat, sollte sich umgehend unter der Rufnummer
0 21 63/4 51 30 oder per E-Mail: info@pfarramt-niederkruechten.de im Pfarramt anmelden.