Glaubensleben in Vielfalt

Frauen ticken anders – Männer auch. Der Wunsch der frohen Botschaft im Zentrum

Frauen in Kirche Nachricht (c) www.pixabay.com
Mo 28. Mai 2018
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2018 | Dorothée Schenk
Die Kirche ist weiblich – nicht nur grammatikalisch, sondern auch mit Blick auf das Engagement in den Gemeinden. Frauen bringen sich hier in vielfältiger Weise ein und prägen kirchliches Leben vor Ort.

Wir stellen vier von ihnen vor: Warum sie sich in Kirche engagieren, wie sie sich wahrgenommen fühlen und was sie sich für die Zukunft der Kirche wünschen.

 

Kinderdorfmutter

Angefangen hat Ida Dunkel im Liturgiekreis des Kinderdorfes. Später wurde sie in der Pfarrkirche Katechetin für die Erstkommunion-, dann für die Firmvorbereitung. Inzwischen sind ihre Kinderdorf-Kinder der Aufgabe entwachsen. Warum Sie sich engagiert? „Für mich war es ein ganz neues Erlebnis: Ich komme aus der Eifel. Da war die Vermittlung von Religion vor allem Priestersache. Ich kam hierhin und habe gemerkt, wie sehr man gefordert war, seine Meinung zu sagen, was man über seinen Glauben denkt, was es einem gibt. Es hat mir viel Spaß gemacht und auch, das an die Kinder weiterzugeben… Ein bisschen missionarisch tätig zu sein. Dafür zu sorgen, dass das, was mir wichtig ist, oder die Freude, die es mir gemacht hat, an die Kinder weiterzugeben, das hat mich motiviert – und natürlich auch Entlastung für den Priester zu sein. Katechetin sein ist ja auch: Ich nehme dir einen Teil Arbeit ab.“ Mit großer Wertschätzung sei ihrer Arbeit begegnet worden. Für die Zukunft der Kirche wünscht sich Ida Dunkel mehr Eigenverantwortung der Christen und „eine Veränderung der Liturgie, die freier, spontaner wäre, das würde mir sehr gut gefallen“. Das resultiert aus ihrer Erfahrung: „Wir reden sehr viel darüber, was im Gottesdienst sein soll, wie man sich verhalten soll. Wir könnten ganz gut auch von den Ritualen in der Kirche weggehen – zumindest im Kindergottesdienst: hinknien, aufstehen, sitzen … Wir haben oft auch schon im familiären Rahmen Gottesdienst gefeiert, der auch sehr schön war.“ Veränderte Gottesdienstformen, so ist sie überzeugt, würden auch für die Priester bei der Größe der heutigen Pfarreien eine Entlastung bedeuten. „Ich glaube, dass, wenn ein Priester sein Amt ernstnimmt und auch Seelsorge machen möchte, es eine schiere Überforderung ist. Es ist für die Zukunft eine große Herausforderung, wie man Gottesdienst feiert, wenn wir die Priester nicht mehr haben. Wir müssen andere Formen finden, wie wir Kirche sein können.“

 

Frauenseelsorgerin

Aufgehoben fühlt sich Gunda Hagens in der Kirche, in der sie Vorbilder gefunden hat und Menschen, die „überzeugt Christ-sein gelebt haben“. „Ich habe das auch zu meinem Beruf gemacht, weil ich gemerkt habe, dass Kirche eine Alternative bieten kann in der Welt.“ Das gilt auch nach der langen Berufserfahrung, in der sich ihre Perspektive noch einmal gewandelt habe. „Vom jetzigen Standpunkt engagiere ich mich, weil ich merke, es ist gut, für Menschen da zu sein in Freud und Leid.“ Vor Ort fühlt sie sich sehr wertgeschätzt „in meinem Frau-Sein und auch in meiner Kompetenz. Das ist für mich die Grundlage, in der Kirche weiterarbeiten zu können.“ Kritisch sieht sie ihre Wahrnehmung durch „die Kirche“, in der sie sich „als Frau auch – ich würde das Wort nehmen – diskriminiert fühle. Es ist für mich immer auch ein Stachel. Dass ich in der Kirche arbeite, ist, dass ich mich einfach getragen fühle von diesem Gott, der für mich einfach viel mehr ist als geschlechtlich.“ Folgerichtig wünscht sie sich gerade hier Veränderungen in der Kirche der Zukunft und nennt auch das Stichwort „Frauenpriestertum“. Einen wichtigen Impuls erfuhr Gunda Hagens jüngst in einer Veranstaltung mit Christiane Florin, die das Buch „Weiberaufstand“ geschrieben hat. „Ich habe gemerkt, dass ich selber müde geworden bin im Laufe der Jahre und dass ich wieder wach werden und dranbleiben muss.“ Darüber hinaus wäre ihr Wunsch, mehr die frohe Botschaft, das Gute des Christentums, des Menschenbildes im Blick zu haben. „Und vielleicht nicht nur durch große Debatten, sondern einfach im authentischen ,Da-Sein‘. Das Kirche wirklich noch einmal eine Alternative ist im eigenen Konsum oder Ellenbogendenken. Persönlich würde sie gern noch einmal nach anderen Gottesdienstformen für Frauen suchen. „Das ist eines meiner wichtigen Themen. Frauen haben gar nicht mehr die Idee, dass sie etwas bieten können, was gut ist.“

 

Gemeindereferentin

Ihren Sitz hat Anne Hermann-Dentges in der Pfarrei Heilig Geist, hat aber auch gemeinsam mit der Pfarrei Maria Frieden das Projekt „Kirche im neuen Format“ initiiert, „dass ich mit Hilfe von vielen netten Menschen – hauptamtlich wie ehrenamtlich – bis heute umsetzen darf.“ Weitere Aufgaben sind seit anderthalb Jahren die „Installation“ der Visionauten in Krefeld und „Stellung zu beziehen“ für die Region Krefeld-Meerbusch in der Berufsgruppen-Vertretung im Bistum Aachen. Grundkatholisch sozialisiert, stellt sich die Frage überhaupt nicht, warum sie sich engagiert. „Ich kann gar nicht anders, als das zu tun, was ich tue.“ Und zitiert den ersten Korintherbrief, Kapitel 9, Vers 16: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, gebührt mir deswegen kein Ruhm; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ Die Geschlechterkonkurrenz will sie gar nicht erst aufmachen. „In der Bibel steht: Gott schuf sie als Mann und Frau. Es muss beides geben. Ich finde, in allen Bereichen unseres Lebens sollen männliche wie weibliche Züge vorkommen, denn Männer und Frauen ticken anders. Da, wo es gelingt, dass Männer und Frauen in ihren Kompetenzen ernstgenommen werden, da, finde ich, ist es immer ganz besonders schön zu arbeiten. Ich finde es viel wichtiger, wenn mich jemand anruft und sagt: Wir brauchen dich. Nicht, weil du eine Frau bist, sondern wir brauchen dich, weil nur du das kannst.“ Eine große Zufriedenheit spricht aus Anne Hermann-Dentges, und darum folgt auf die Frage: „Was wünschen Sie sich von der Kirche für die Zukunft?“ ein langes Überlegen. „Da ich es in so vielen Bereichen schon so schön habe, fällt es mir ein bisschen schwer… Aber vielleicht hätte ich es gerne überall ein bisschen schöner.“ Und dann fällt ihr doch noch etwas ein: „Es gibt im Generalvikariat ein Frauenförderprogramm, da würde ich mir wünschen, dass wir noch mal gut hingucken, wo wir Frauen in Führungspositionen setzen können. Nicht als Quotenfrauen, sondern wirklich, weil sie da Begabungen haben und da auch mal, positiv betrachtet, Männer entlasten, die diese Gabe gar nicht haben.“ Klar verstanden wissen will sie, dass es nicht um die Eucharistiefeiern geht, sondern um Verantwortung für größere Komplexe, für eine Hauptabteilungsleitung, für eine Regionalleitung… „Da, wo man mit Männern und Frauen gemeinschaftlich unterwegs ist, ist es reicher und bildet man auch dort die Gesellschaft ab. Da, wo Frauen ein Glaubenszeugnis ablegen dürfen in größeren Gemeinschaften wie einem Sonntagsgottesdienst oder Gesprächsabenden, wo sie wirklich mit Standfestigkeit erzählen, nimmt eine Gemeinde auch noch mal eine andere Färbung an.“ Durchaus selbstkritisch geht sie mit dem eigenen Geschlecht um, wenn es um Veränderungen in der Kirche geht: „Ich glaube, dass wir Frauen uns nicht unter Wert verkaufen sollten. Wir müssen leider auch immer noch ein bisschen emanzipiert sein. Wir dürfen aber gerne mit unseren Stärken wuchern – im Guten, mit dem, was wir an Knowhow haben und es einsetzen zum Wohle der Menschen und zum Wohle derer, die um einen herum mit den Frauen an einem Strang ziehen. Mit einer nötigen Gelassenheit die Dinge zu verfolgen – das würde ich mir wünschen.“

 

Katechetin

Als Mitglied der Vollversammlung im Katholikenrat und im GdG-Rat, wo sie gerne mitgestaltet, hat Susanne Mengen dennoch einen Schwerpunkt: „Katechese ist das, was mir am meisten Spaß macht und was ich am wichtigsten finde.“ Sie engagiert sich, weil sie überzeugt ist, dass „Kirche“ viele braucht, die mit anpacken. Ein Zitat des verstorbenen Bischofs Klaus Hemmerle bringt ihre Motivation, sich in Katechese und Gemeinde einzubringen, aber richtig auf den Punkt: „Wenn du morgens vor dem Spiegel stehst, schau dir selbst so lange in die Augen, bis ein Lächeln auf deinem Gesicht erscheint. Dann mach dir klar: Dieser Mensch ist bedingungslos von Gott geliebt. Das Wissen, selbst bei allem Zweifel zu wissen: Ich bin von Gott geliebt, die Ahnung davon… Darum mache ich Katechese.“ Als Frau in diesem Engagement wahrgenommen fühlt sie sich nicht. „Für mich gibt es nur den Menschen im Engagement.“ Gerade Katechese sei zwar ein sehr weiblich besetzter Bereich, aber sie arbeite in einer Firmkatechese auch mit einem Mann zusammen, und „da habe ich nie den Unterschied gesehen – ich habe ihn als Katechet, nicht als Mann wahrgenommen, noch mich als Frau. Wir als überzeugte Christen versuchen, den Jugendlichen etwas mitzuteilen.“ Genau dahin geht auch ihr Wunsch für die Zukunft der Kirche: „Dass Kirche ein Ort sein kann, an dem jeder, der glaubt, sich ernstgenommen fühlt in seinem Glauben und so auch angenommen ist von der Gemeinschaft.“ Bei Veränderungen ist Susanne Mengen zögerlich: „Ich kann immer nur da ändern, wo ich bin, und versuchen, die Menschen, die in meiner Umgebung sind, mitzunehmen.“ Aber wenn sie etwas verändern könnte, würde sie sich wünschen, dass Kirche mehr Katechese, gemeinsames Glauben und Feiern bedeutet und „vom Strukturdenken wegkäme“, um gleichzeitig „die Angst aus Kirche herauszubekommen, dass man etwas weggenommen bekommt.“

Glaubensleben in Vielfalt

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