Ein bisschen von der Kirche distanziert – aber nicht vom Glauben

Junge Menschen aus Viersen und Umgebung organisieren ihre Wallfahrten selbst

Franzi Goßmann, Regina Klasen und Matthias Thees (oben von rechts) wollen sich weiterhin für Glaubensaktivitäten außerhalb der Institution Kirche stark machen. (c) Ursula Weyermann
Di 16. Jul 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 29/2019 | Ursula Weyermann

Maria Regina Klasen, Matthias Thees und Franziska Marie Goßmann geraten ins Schwärmen, wenn sie an ihren Aufenthalt in Taizé denken. Die kleine französische Gemeinde mit den 171 Einwohnern ist für viele zum Sinnbild von gelebtem Glauben und respektvollem Miteinander sowie zu einer Quelle von Kraft, Zuversicht und Frieden geworden.

Für Matthias Thees war es die erste Reise zu diesem magischen Ort: „Fasziniert hat mich dieses Gemeinschaftsgefühl. Dass man mit offenen Armen empfangen wird.“ Und man wisse, dass alle anderen aus dem gleichen Grund da seien. Für Franzi Goßmann und Regina Klasen war es nicht die erste Fahrt nach Taizé, aber die schönste. Goßmann hat, ebenso wie ihre Freundinnen und Freunde, sich nicht mehr in der Arbeit der Gemeinde wiedergefunden. Hat ihre Arbeit als engagierte Ehrenamtlerin nicht mehr wertgeschätzt gefühlt: „Wir haben uns ein bisschen von der Kirche distanziert.“ Und Regina ergänzt: „Nur von der Kirche, nicht vom Glauben.“

Alle drei kommen sie aus Elternhäusern, die vom Katholizismus geprägt sind. Die Eltern arbeiten in der oder für die Kirche. Und die jungen Menschen möchten ihren Glauben leben, aber manchmal eben ohne ein Korsett veralteter Strukturen. Was lag da näher, als eine Reise nach Taizé selbst zu organisieren? Und so entstand schnell mit Maike Breitmar, Jule Breitmar, Aaron Ostendorp, Ben Ostendorp, Chelsea Busen, Emma Maaßen und den bereits Genannten eine muntere Reisegruppe in Sachen Glauben. „Davon fünf über 18 Jahren“, sagt die 23-jährige Franzi Goßmann. „Wir haben uns in Taizé angemeldet und einen kleinen Bus organisiert“, erzählt die Theologie-Studentin. „Die Teilnehmer kommen aus Viersen, Anrath, Bosheim und Oedt“, zählt Regina Klasen auf, die auch Gruppenleiterin der Pfarrjugend Anrath ist: „Wir haben die Organisation und Aufteilung der Zelte geplant … und das Essen.“ Es gibt zwar Gemeinschaftsessen im Areal. Aber mit sechs Veganern im Grüppchen musste da natürlich anders geplant werden.

Aus dem ursprünglichen Zusammenschluss, der eigentlich nur der selbstorganisierten Taizé-Fahrt diente, hat sich eine Freundesgruppe entwickelt, die sich immer mal wieder trifft und auch in dieser Gemeinschaft an einer Trier-Wallfahrt teilgenommen hat. Mit dabei ist immer Maskottchen „Frida“: ein Plüscheinhorn, das abwechselnd getragen wird. Für andere junge Gläubige haben Goßmann, Klasen und Thees den Ratschlag, sich auch ruhig mal ein bisschen von der Institution Kirche zu entfernen, wenn dadurch das Miteinander und der Glauben gefestigt werden können.