Arche und Heilsgeschichte

Jedes Jahr wird die Krippe der Abtei Mariendonk erweitert, um das Wirken Christi für die Welt zu zeigen

Schwester Judith Friedrich freut sich über den stetigen Zuwachs ihre Geschöpfe. (c) Abtei Mariendonk
Di 3. Dez 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 49/2019 | Arne Schenk

Ein Flusspferd, ein Tiger und ein Affe sind bei Jesu Geburt anwesend und helfen kräftig mit, dem Weihnachtsfest eine besondere Wichtigkeit zu verleihen. Was sich in etwa so anhört, als würde die Geschichte um das neugeborene Christuskind neu geschrieben, gehört in der Abtei Mariendonk tatsächlich bereits zur guten Tradition.

Alle Jahre wieder wird die Gruppe, die der Ankunft des Heilands auf Erden Tribut zollt, größer. Jona und der Wal haben ihren Platz genauso wie Daniel samt Löwe. Auch die Propheten Amos und Jesaja gehören zum Ensemble wie auch König Salomo und die Königin von Saba inklusive Elefanten sowie Mose mit seiner Schwester Mirjam und Hohepriester Aaron. Im vergangenen Jahr sind nun Adam und Eva hinzugekommen und ganz aktuell sogar eine Figurengruppe. „Ein Teil ist noch nicht fertig“, betont Schwester Judith Friedrich OSB von der in Grefrath bei Kempen gelegenen Abtei Mariendonk.

„Wir haben dieses Jahr eine Arche gebaut beziehungsweise sind noch dran.“ Das Wassergefährt soll sechs Fenster bekommen, durch die jeweils ein Tier hinaus in die Welt schaut. Dazu gehören besagtes Flusspferd, Tiger und Affe, aber auch ein Bär und eine Giraffe, die mit hoch aufgerichtetem Hals aus dem Dach herausguckt. In einem Fenster ist natürlich auch Noach zu sehen. „Er streckt eine Hand aus und hat auf der Hand die Taube, die zurückgeflogen kommt mit einem Ölzweig im Schnabel“, erzählt Schwester Judith. Mit der Landung der Taube auf seiner Hand hat Noach also den Beweis, dass das Wasser zurückgegangen und ein Verlassen des Schiffes bald möglich ist. „Die Arche selbst ist noch nicht fertig.“ Bis zur Vorstellung der neuen Gruppe an Heiligabend soll aber alles reibungslos ablaufen. 

 

Vom Paradies bis Jesu Geburt

Aber wie lässt sich die Geschichte von Noach mit der Geburt Jesu vereinbaren? Immerhin sind laut der Bibel zwischen beiden Ereignissen diverse Jahrhunderte vergangen. Das ist für Schwester Judith kein Problem: „Die Krippe hat das große Thema der Heilsgeschichte, also nicht nur die Geburt Jesu.“ Zu dieser Heilgeschichte gehören zum einen Vorfahren wie Abraham, David und Salomon, zum anderen aber auch die Heilsgeschichte mit Jesus als Heilsbringer, der die Vorhersagen der Propheten erfüllt.  Adam und Eva symbolisierten im vorangegangenen Jahr den Anfang der Heilsgeschichte. Die Arche liegt genau auf der Zeitlinie. Die Kirchenväter hätten Noachs Episode später für die Christen als Symbol der Taufe interpretiert, unterstreicht Schwester Judith. Noach und seine Nachkommen – somit auch der Mensch – seien in der Arche gerettet worden. So wie Gott die Menschen bei der Sintflut durch das Wasser vor dem Bösen reinigt und rettet, geschieht gleiches durch das Wasser bei der Taufe: die Rettung des Menschen durch Gott.

Es geht um den Menschen und sein Heil, es geht um Rettung und Erlösung – von allem Bösen, vom Tod. Das Heil, wohin der Mensch strebt bis zu seinem Ende, bis zu seinem Tod und bis zur Wiederkunft Christi. Mit der Bezeugung seines Glaubens durch die Taufe und das Taufwasser besiegt Jesus den Tod genauso, wie bereits Noach über das todbringende Wasser triumphierte. Zudem besteht die Analogie des Heiligen Geistes in Verbindung mit dem Taufwasser und der von Noach gesandten Taube. Überhaupt sei die Friedenstaube immer aktuell, sagt Schwester Judith.

Die Heilsgeschichte handele ja von Anfang an, beginnend mit dem Paradies, von der Schöpfung und beschreibe, wie Gott die Welt und die Menschen geschaffen hat, und in welcher Beziehung Gott und Schöpfung, also auch die Tiere, stünden, bekräftigt sie. Und auch wenn der Mensch scheitere, ließe Gott ihn trotzdem nicht fallen. Auch wenn manche meinten, Gott habe die Welt geschaffen und dann sich selbst überlassen. „Und das stimmt nicht. Er behält die Welt und die Menschen und alles weiterhin auch in seiner Hand.“ 

Die Krippe der Abtei Mariendonk, Niederfeld 11 in  Grefrath bei Kempen, ist vom 24. Dezember bis 13. Januar jeweils von 15 bis 17.30 Uhr zu besichtigen. Sonderführungen für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren und deren erwachsener Begleitung finden am 28. Dezember und 3. Januar von 10 bis 11 Uhr statt. Größere Gruppen melden sich bitte unter Tel. 0 21 52/9 15 40 an. Der Eintritt ist frei.

Die Neuzugänge der Mariendonker Krippe

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