(c) Agnes Peters

Gotteshaus im Maßstab 1:50

Datum:
Di 15. Sep 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 38/2020 | Garnet Manecke

Mit viel Liebe zum Detail hat Erich Peters die Kirche St. Urbanus Birgden als Modell nachgebaut: die Kreuze sind aus Nägeln, die Fenstergitter aus Büroklammern.

Fast täglich sieht Erich Peters die Kirche St. Urbanus in Birgden. Irgendwann hat er beschlossen, das Gotteshaus im Maßstab 1:50 nachzubauen. Schon einmal hat er eine Kirche nachgebaut: Seit 2013 hat er zwei Modelle von St. Anna Schierwaldenrath.

Mit seiner Erfahrung wusste Erich Peters, dass so ein Modell nicht in ein paar Tagen gebaut ist. Also hat er einige Monate eingeplant – schließlich sollte das Mini-Gotteshaus das Original ja so detailgetreu wie möglich nachbilden. Das bedeutet Präzisionsarbeit. 
„Das Mauerwerk und die Pflasterung des Bodens wurden von Hand mit Lineal und silberfarbenen Stiften in unzähligen Stunden gezeichnet“, schildert er sein Arbeitsethos. Dabei gehören diese Details schon zu den abschließenden Feinarbeiten. Bevor überhaupt an den ersten Pinselstrich gedacht werden konnte, musste Peters Baupläne studieren.
Von professioneller Seite bekam er dabei Unterstützung:  „Vor einigen Jahren wurde St. Urbanus vom Vermessungsbüro Klaus Frenken aus Baesweiler komplett neu vermessen“, berichtet er. Die Unterlagen habe das Büro ihm zur Verfügung gestellt. Aber das allein reichte nicht. Die Originalmaße mussten noch auf den Maßstab 1:50 umgerechnet werden. Das übernahmen die Architekten Christoph Apweiler und Sandra Rongen. „Ohne diese Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen, dieses Modell dem Original entsprechend herzustellen“,sagt Peters.


In 450 Fotos ist jedes Detail der Kirche festgehalten worden

Mit den Plänen konnte der gelernte Kunstschmied an die Arbeit gehen. Aus Spanholzplatten sägte er Grundplatte und Bauteile. Für Säulen und Balken nutzte er das Holz alter Obstkisten, Streichhölzer, Vierkant- und Rundstäbe. Um auch kein Detail falsch zu machen, hatte Peters das Kirchengebäude im Vorfeld akribisch in 450 Nahaufnahmen festgehalten. So war es möglich, auch die Fenster dem Original getreu herzustellen.
Für das Geläut hat er den Klang der Glocken aufgenommen

Die Krönung des Gebäudes sind die beiden Kreuze über dem Chor und auf dem Kirchturm. Für das Turmkreuz hat Peters handelsübliche Baunägel verwendet. „Für das Chorkreuz wurden portugiesische Vierkantnägel geschmiedet und zusammengelötet“, berichtet er. Das Material für Fenstergitter, Geländer und und Handläufe fand er bei den Büroartikeln: Er funktionierte einfach Büroklammern verschiedener Stärken um. Aber das sind nur die Äußerlichkeiten. Was wäre ein Gotteshaus ohne innere Werte und ohne die Stimme, die die Gläubigen zu Gottesdienst und Gebet ruft? Die darf auch bei Peters’ Modell nicht fehlen. Wenn er die kleinen Knöpfe betätigt, erschallt der Originalton der vier Glocken von St. Urbanus. Wie hat er das gemacht?

Mit Ausdauer und Akribie: Geduldig hat er die Klänge der vier St. Urbanus-Glocken aufgenommen und technisch aufbereitet. So dass nun auch die Modellkirche wie das große Original klingt. Um das Gotteshaus einladender zu machen, gibt es eine Innenbeleuchtung, die auch die Fenster besser zur Geltung bringt.
Um all das zu schaffen, hat Erich Peters zwölf Monate eingeplant. Im Januar hat er mit den ersten Arbeiten begonnen. Als Ende Februar Corona kam und das öffentliche wie das private Leben ruhiger wurde, hatte er plötzlich jede Menge Zeit. So kam es, dass er die 512 Arbeitsstunden, die er in sein Modell investierte, in nur viereinhalb Monaten absolvieren konnte.

Die Pandemie ist auch der Grund, warum das Kirchenmodell zurzeit noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Aber da macht sich Erich Peters keine Sorgen. „In  geraumer Zeit wird sich bestimmt eine Gelegenheit bieten“, sagt er. Ob das noch in diesem Jahr klappt oder erst 2021, kann derzeit noch niemand sagen. Das ist aber auch gar nicht so schlimm. Denn das Modell soll etwas länger halten. So wie die beiden Modelle von St. Anna Schierwaldenrath, die Erich Peters vor sieben Jahren gebaut hat. Ein Modell zeigt das Gotteshaus wie es vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat. Das andere ist nach dem heutigen Zustand nachgebaut worden. Vielleicht ergibt sich ja auch mal eine Gelegenheit, die Nachbauten aller drei Kirchen gleichzeitig zu präsentieren.