Segel setzen für Frieden

Kunst- und Begegnungsprojekt „Ship of Tolerance“ ist in Jülich vor Anker gegangen

Mit einer großen Luftballon-Aktion wurde zur „Ode an die Freude“ symbolisch die Botschaft von Toleranz und Menschlichkeit in die Welt entlassen. (c) Dorothée Schenk
Mit einer großen Luftballon-Aktion wurde zur „Ode an die Freude“ symbolisch die Botschaft von Toleranz und Menschlichkeit in die Welt entlassen.
Di 27. Aug 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 35/2019 | Dorothée Schenk

Nach Moskau, Rom, London, dem schweizerischen Zug und Havanna ist Jülich der erste dauerhafte Heimathafen in Deutschland für das weltumspannende Kunst-Projekt für Toleranz und Menschlichkeit, „Ship of Tolerance“ des russischen Künstlerpaares Kabakow. Den Festakt zur Einweihung gestaltete das Vossenacker „Ex-Art Musiktheater“ des Franziskus-Gymnasiums.

Segel setzen für Frieden, Menschlichkeit und Toleranz, das ist seit 14 Jahren das Ziel von Emilia und Ilja Kabakow. In Ägypten war im Nahostkonflikt der „Stapellauf“ des ersten „Ship of Tolerance“. Rund 100 Kinder und Jugendliche sind an jedem Ort eingeladen, ein mal ein Meter große Tücher zum Thema zu gestalten, die schließlich zu einem großen Segel des 18 Meter langen und elf Tonnen schweren Schiffes zusammengeknotet werden. In der Region Düren haben sich über 200 beteiligt.

Inzwischen haben die Kabakows eine ganze Flotte von Schiffen in ihrer Mission auf den Weg gebracht. In Jülich kamen hunderte von Gästen zum Lindenrondell, um bei der Einweihung dabei zu sein – auch die 83-jährige Emilia Kabakow reiste eigens aus New York an und war begeistert vom Ankerplatz des jüngsten „Ship of Tolerance“. Das „Ex-Art Musiktheater“ vom Franziskus-Gymnasium in Vossenack stimmte die Gäste eindrucksvoll mit ihrer Friedensaktion ein. „Schiffbruch, Brandung und Brücken“ heißt der Text von Heiko Westerburg, der die Grundlage für Musik und szenische Darstellung bot. Das „Schiff“ als zentrales Bild stand im Mittelpunkt, das Gefühle wie „Sehnsüchte, Ängste, Freiheits- und Ohnmachtsgefühle“ auslösen könne. Wie vor der Brandung und Felsen fürchteten sich die Menschen vor der Vielfalt. Furcht und Feindlichkeit machten Menschen krank. Heilsam könnten Häfen sein: „Denn Häfen können Brücken sein zwischen Menschen, zwischen Kulturen, zwischen Erdteilen.“

In einen solchen Hafen ist das „Ship of Tolerance“ in Jülich eingelaufen, damit wahr wird, was Heiko Westerburg formulierte: „Ein ,Ich‘ in Würde und ein ,Wir‘ in Toleranz.“ Zur Friedensaktion gehörte auch der Einsatz von Holi-Farben, der zu einem echten Spektakel führte, das unter dem Westenburger Leitmotiv stehen könnte: „Vielfalt kennt Farben, wo jeder eine Farbe ist.“ Gleiches galt auch für das Abschlussbild. Mit 300 bunten Luftballons war das Lindenrondell rund um das Schiff geschmückt, die schließlich an die Gäste verteilt wurden, um Landrat Wolfgang Spelthahn zu zitieren, dem es gelungen ist, die Künstlerin Emilia Kabakow für den „Ankerplatz“ Jülich zu begeistern und „Bilder für die Ewigkeit“ zu schaffen. Eine wunderbare Kulisse gab die Flut von bunten Ballons ab, die vor dem gehissten Segel zu den Klängen von „Ode an die Freude“ über dem Schiff aufstiegen und durch den blauen Himmel davonzogen.

Bleiben wird dagegen das Schiff als sichtbares Symbol für Menschlichkeit und Toleranz, das eine neue Attraktion und sicher ein Magnet für den Brückenkopf-Park ist, wofür Axel Fuchs als Geschäftsführer des Parks dem Landrat seinen Dank aussprach und Künstlerin Kabakow versprach: „Wir werden das Schiff in Ehren halten.“ Denn durch die Ansiedlung des Forschungszentrums in den 1950ern seien die Jülicher „immer gezwungen gewesen, tolerant zu sein, den anderen anzuerkennen, das Fremde nicht als fremd zu sehen, sondern auch anzunehmen.“ Ein guter Hafen eben.