Reiche Ernte gibt es nicht nur auf dem Acker einzufahren

Menschen, die auf den unterschiedlichen Feldern in der Kirche tätig sind, ziehen zum Erntedankfest eine persönliche Bilanz

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Mi 25. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 39/2019 | Dorothée Schenk

Seit dem dritten Jahrhundert ist in der Kirche das Erntedankfest belegt. Heute sind die meisten Menschen nicht mehr auf dem Acker beschäftigt und fahren dort die Früchte ihrer Arbeit ein. Die KirchenZeitung hat in den Regionen Düren und Eifel Glaubensmenschen gefragt, welche Ernte sie in diesem Jahr „eingefahren“ haben in ihren Lebensfeldern, und wofür sie besonders dankbar sind. Darüber hinaus haben sie sich der Frage gestellt, wem sie gerne einmal danken würden.

Bruder Wolfgang Mauritz OFM
Franziskanerkloster in Hürtgenwald-Vossenack

Darf ein Ordenschrist, darf ein Franziskaner eigentlich so vermessen sein, nach Ernte, nach Erfolg zu fragen? Meine Aufgabe sah ich im vergangenen Jahr darin, Menschen zu begeistern, sie in ihren Talenten und Fähigkeiten zu bestärken, sie anzuspornen und ihnen Mut zu machen. Und dies nicht in erster Linie im religiösen oder gar katholischen Sinn, sondern erst einmal den Menschen in den Blick zu nehmen, seine Fragen und Bedürfnisse ernst zu nehmen, ein offenes Ohr zu haben und auch ein weites Herz. Ganz konkret habe ich dies erfahren bei meiner Puppenbau-AG, wo Kinder unter meiner Anleitung gelernt haben, Puppen zu bauen und sich so mit einer völlig neuen Materie vertraut zu machen. Und dann kommen während der Bastelstunden auch plötzlich Fragen nach Gott, nach dem Glauben und dem Leben auf. Da durfte ich dann ganz vorsichtig von meinen Erfahrungen berichten, durfte den Glauben ins Spiel bringen und so vielleicht Samen säen, der erst in einigen Jahren Früchte hervorbringt. Danke möchte ich einem sehr guten Freund sagen, der mich überzeugt hat, mein Leben neu zu bedenken. Der mich dazu gebracht hat, umzudenken und einen anderen Standpunkt einzunehmen. Seine freundschaftliche Beharrlichkeit hat mich positiv verändert, und genau deshalb bin ich ihm von Herzen dankbar. Wenn ich auf die Frage nach Ernte und Dankbarkeit zurückkomme: Ja, auch ein Ordenschrist, ein Franziskaner darf nach Erfolg fragen – in aller Demut und Bescheidenheit ist diese Frage auch immer wieder die Antriebsfeder für ein Ordensleben in unserer heutigen Zeit.

 

Maria Jentgen
Gemeindereferentin in der GdG Mechernich

Wem würde ich gerne danke sagen? Meinen Enkelkindern… Für die Freude und das Lachen mit ihnen. Meinem Ehemann, meiner Familie, meinen Freunden… Die mich auf meinem Weg begleiten, tragen und ertragen. Durch meine Tätigkeit im Beerdigungsdienst erfahre ich im Besonderen nochmals, wie wichtig unsere Gesundheit ist, und wie dankbar wir hierfür sein können. Ich danke Gott dafür, dass ich noch nichts von einer schweren Erkrankung weiß. Ich danke ihm für meinen Optimismus, der mir in vielen Lebenslagen weiterhalf. Im Letzten gilt mein Dank immer Gott, denn er ist es, der uns Menschen all dies schenkt.

 

Hans-Josef Loevenich
Regionalkantor Düren

Dadurch, dass wir Nahrungsmittel aus der ganzen Welt importieren, ist uns der Rhythmus von säen, wachsen und ernten etwas verlorengegangen und damit der ursprüngliche Sinn dieses Festes. Auch als Kirchenmusiker haben wir ja einen Rhythmus von Kirchenfesten wie Ostern und Weihnachten, der ein Wachsen und ein Ernten beinhaltet. Eigentlich ist das ganze Leben einem solchen Rhythmus unterworfen! Deshalb ist das Erntedankfest für mich Anlass, innezuhalten und daran zu denken, dass nicht alles selbstverständlich ist. Anlass, Gott zu danken für das Gute, was einem im Beruf und in der Familie widerfährt! 

 

Petra Bungarten
Gemeindereferentin Pfarrei St. Lukas Düren

Wo habe ich im letzten Jahr geerntet? In meiner Beziehung zu Gott: Ich habe neue Erfahrungen des Getragenseins gemacht; ich habe Zeiten geerntet, die ich jetzt mit Ihm verbringe, und spüre die Sehnsucht nach Ihm immer stärker werden. Im Beruf: knapp 80 neue Katecheten in Finnland, ein neuer Einsatzort, an dem es mir gefällt und wo ich wertgeschätzt werde – da kann ich mich jetzt ein paar Jahre niederlassen. In meiner Ehe: Wir werden in ein paar Wochen Silberhochzeit haben. In der Erziehung unserer Tochter trotz der üblichen (pubertären) Eltern-Kind-Diskussionen – wir haben einen Menschen erzogen, der sein Studium beendet hat, seit zwei Jahren eine feste Beziehung lebt und mit Elan die Zukunft plant. Sie wird ihren Weg machen – und wir erkennen dankbar unsere Spuren… Für mich selbst: erste Spuren von Altersweisheit.

 

Georg Toporowsky
Pastoralreferent Nationalpark Eifel und Vogelsang

Als ich vor Kurzem auf der Fahrt nach Hause vor einer Ampel zum Stehen kam, stand vor mir ein PS-starker Wagen sportlichen Aussehens. Das Auto war mit zwei Aufklebern versehen, welche den Fahrer als Fan des Nürburgrings und des Motorsports auswiesen. Solche Bekenntnisse findet man in der Eifel häufiger, (noch?) nicht jedoch einen dritten Aufkleber, der etwas tiefer angebracht war: „Fuck you Greta!“ Gemeint ist Greta Thunberg, Gründerin und Gesicht der „Fridays for Future“- Bewegung. Auch wenn mir persönlich manchmal der „Kult“ um Greta etwas suspekt und überhöht erscheint, im Angesicht des Aufklebers vor mir hatte ich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit diesem Mädchen gegenüber: für ihre Entschlossenheit und Hartnäckigkeit, für ihre Idee und Inspiration, für ihren Mut, dem Klimaschutz ein jugendliches Gesicht und Drängen zu geben, und besonders für ihre Unerschrockenheit, sich auch von all den vielen Anfeindungen nicht von ihrem eigenen Weg abbringen zu lassen. Ich persönlich durfte in diesem Jahr viele „Gretas“ kennenlernen, die mich mit ihrer spirituellen Ökologie und ihrem Einsatz, nachhaltig zu leben, tief berührt und inspiriert haben. Sie helfen mir, das zu leben, wovon ich überzeugt bin. Auf meinem „Erntedank-Aufkleber“ in diesem Jahr stünde also „Thank You Greta“ und Caro, Ernst, Simon, Annette…

 

 

Wofür sind Sie dankbar?

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