Registerzieher

Mit 13 Jahren ist Janik Schuster einer der jüngsten Organisten im Bistum

Organist Nachricht (c) Dorothée Schenk
Organist Nachricht
Di 7. Mär 2017
Dorothée Schenk
Eigentlich ist an dem Teenager nichts ungewöhnlich: weder Wuchs noch Frisur oder Kleidung. Denkwürdig ist der Ort des Treffens: die Empore von St. Brigida in Untermaubach.
Organist Quadrat (c) Dorothée Schenk
Organist Quadrat

Hier sitzt Janik Schuster zweimal die Woche an der Orgel, spielt ebenso oft in Obermaubach und zieht auch monatlich in St. Albertus Magnus in Leversbach die Register. Der 13-Jährige ist im Bistum Aachen einer der jüngsten Organisten.

„Hören Sie?“ Janik schlägt die Tasten an, tritt die Pedale, und die Töne breiten sich in der kleinen Kirche aus. Was folgt, sind Erklärungen, mit sichtbarer Kennermiene vorgetragen:  Wozu das Prinzipal dient, Bordun und das Holzgedakt, „spezielle Flöten, eigentlich nur zwei Stück, die würden da im Korpus liegen – hier aber nicht, hier werden sie elektronisch erzeugt“, und welche Funktion die „Mixtur“ hat. Klingt alles ein bisschen nach Zutaten für einen Klang-Cocktail, und so ähnlich kann man es sich auch vorstellen, denn fällt die „Posaune weg…, Oktav 4 weg…, wird es schon dunkler. Wenn ich den Oktavbass wegnehme, hört man fast nichts mehr.“

Diese Vielfalt der Möglichkeiten hatte es Janik schon als Kleinkind angetan. Damals spielte der Vater die Heimorgel. „Stille Nacht. Das hab ich auch mal probiert und gemerkt, dass ich das ganz gut kann.“ Mit acht Jahren trieben ihn Faszination und die Leidenschaft für die Musik auf die Orgelbühne, und zwei Jahre lang guckte er dem Organisten nur auf die Finger. Dann ging er zu ihm und bat, nach der Messe einmal selbst spielen zu dürfen. „Großer Gott, wir loben Dich“ war das Stück, das sich Janik auf der Heimorgel selbst beigebracht hatte und beim ersten Mal klingen ließ. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits Klavierunterricht, und damit „konnte ich Noten lesen und hatte die nötige Fingerfertigkeit“.

 

Üben, damit man dem Instrument auch gewachsen ist

Das war der Zeitpunkt, zu dem seine Mutter Kontakt mit Regionalkantor Hans-Josef Loevenich aufnahm, der seither Janik in St. Anna Düren das Orgelspiel lehrt. Zum „Einspielen“ kommt der Schüler immer schon etwas früher in die Kirche und findet dann das Instrument unverschlossen vor. Die Augen blitzen, und er schwärmt: „Ich setz’ mich dran, mach’ die Orgel laut und dann spiel’ ich was – und das klingt für mich dann super. Dann habe ich immer das Ziel vor Augen, große Walzer, große Stücke zu lernen, dass man dann auch was auf die Tasten legen kann, dass man dieser Orgel dann auch gewachsen ist.“

 

Zukunftsziel: als Mediziner in der Freizeit auf der Orgel spielen

Im Jahr Zwei des Orgelunterrichts spielt Janik nicht nur regelmäßig in Messen, er hat auch schon vor 400 Leuten bei der traditionellen Gedenkfeier der RWTH Aachen für die Körperspender der Anatomie im Krematorium die Orgel gespielt. „Er liebt Herausforderungen“ sagt Vater Dieter mit berechtigtem Stolz. Organist will Janik trotzdem nicht werden. Damit kann man zu wenig verdienen, sagt der lebenserfahrene 13-Jährige, verweist auf Kirchenschließungen und große Seelsorgebereiche. Er will lieber dem Vater nacheifern und Arzt werden. „Später, wenn ich groß bin und einen Hauptberuf habe, werde ich aber weiter in der Kirche Orgel spielen – es macht Spaß und steckt wirklich an.“