Ostern zu Zeiten der Corona-Krise

Ein Ostergruß des Regionalteams Düren

Narzissen (c) Bild von Matthias Böckel auf Pixabay
Narzissen
Mo 6. Apr 2020
Monika Herkens

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitchristen und Mitchristinnen,
liebe Mitarbeiter und MitarbeiterInnen,
dieses Osterfest wird wohl eines, wie wir es noch nie erlebt haben. Seit geraumer Zeit ist wegen der schlimmen Corona-Pandemie das gesamte gesellschaftliche, wirtschaftliche, persönliche und auch kirchliche Leben zu einem plötzlichen Stillstand gekommen. Und dies nicht nur in unserem Land, sondern global. Dramatische Szenen aus aller Welt werden uns rund um die Uhr durch Fernsehen und Internet ins Haus geliefert: leer gefegte Innenstädte und übervolle Intensivstationen, Ärzte und Pflegepersonal an der Grenze der Belastbarkeit, Kirchen und Sporthallen voller Särge, verzweifelte Gesichter in Flüchtlingslagern und in den Slums der Großstädte. Und kein Ende in Sicht!

Papst Franziskus sprach Ende März in einer einzigartigen, noch nie dagewesenen, bewegenden „Urbi et Orbi“ Segensfeier auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom von einer tiefen Finsternis, „die sich unsres Lebens bemächtigt hat und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt“. „Wir sind verängstigt und fühlen uns gelähmt.“ Das trifft es wohl sehr genau.
Da können wir nur die Menschen bewundern und ihnen danken, die in dieser  Ausnahmesituation weiter ihre Arbeit tun, ob in Krankenhäusern oder Supermärkten, ob
als Ordnungskräfte, Notdienstleistende oder Seelsorger und viele mehr, die den schwer Betroffenen und uns allen beistehen, so gut es geht.

Erwähnen möchten wir hier aber auch die vielen ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden
in unseren Gemeinden, die versuchen, das geistliche und kirchliche Leben nicht in Gänze zum Erliegen kommen zu lassen: durch Gottesdienstangebote im Internet, durch Gebetshilfen und digitale Gebetsgruppen, durch Seelsorgegespräche und Krankenbesuche, durch offene Kirchen für persönliches Gebet und durch das zu Hause und vor Ort tätige Kirchenpersonal, durch Lebensmittelausgaben und Botengänge für ältere, kranke, obdachlose und notleidende Mitmenschen wie auch durch die von den Priestern stellvertretend für uns alle gefeierten heiligen Messen. Erwähnt seien hier auch alle, die in der Region im Bereich der Jugendarbeit, offene und gemeindliche, mit neuen, vielleicht unkonventionellen Methoden die „Türen“ digital offenhalten. Auch die in der Telefonseelsorge Tätigen sind in diesen Krisentagen besonders gefordert. Allen gilt unser Dank und allen versichern wir unsere Unterstützung und Verbundenheit.

Auch die Pläne und Initiativen in der Region, die wir als Regionalteam angedacht hatten, sind bis auf weiteres abgesagt wie unsere GdG-Treffen, unsere Regionalklausur, Gremiensitzungen und weitere Besuche. Wir sind aber nicht untätig. Wir haben uns wiederholt per Videokonferenz verständigt und bieten Vernetzung, Ressourcen und Mithilfe an, sofern uns das möglich ist. In unserem jetzt häufiger erscheinenden Newsletter werden wir weiterhin informieren, anregen und einladen und bitten um Rückmeldung und Vorschläge: https://www.bistum-aachen.de/Region-Dueren-Eifel/aktuell/newsletter-regionalteam-dueren/ .

In so einer außergewöhnlichen Situation merken wir alle, dass unsere bisherigen Gewissheiten und selbstverständlichen Abläufe weggefallen sind. Auf einmal muss alles ganz anders gehen. Das zwingt zur Neuorientierung, Besinnung, Gewissenserforschung.
Beim besagten „Urbi et Orbi“ hat Papst Franziskus den Finger auf die Wunde gelegt: wir sind „mit voller Geschwindigkeit weiter gerast und hatten dabei das Gefühl stark zu sein und alles zu vermögen … haben uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen … uns von Kriegen und Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen … haben nicht den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört … haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

Hier ertönt der Ruf zur Umkehr, der immer schon Teil der Fastenzeit war, aber vielleicht
manchmal auf eher taube Ohren gestoßen ist. In diesem Jahr ertönt er mit unerwartet drastischer Schärfe und klingt vielleicht realistischer und dringender als je zuvor in unserer Zeit. Dieser Ruf zur Umkehr ist ein Ruf, unser Leben und unsere Prioritäten zu überdenken, uns auf das wirklich Wichtige zu besinnen, Menschen und Umwelt als ein Geschenk anzunehmen und Gott wiederzufinden.

In diesem Zusammenhang ist es für uns Christen äußerst schmerzlich, dass auch die kirchlichen Gottesdienste und Veranstaltungen in dieser Zeit nicht mehr möglich sind. Besonders die Absage der Kar- und Osterfeierlichkeiten wie auch der Erstkommunion- und Firmfeiern, Taufen und Hochzeiten in den nächsten Wochen sind ein bitterer Einschnitt. So bitter, dass auch Menschen ohne enge kirchliche Bindung es sich kaum vorstellen können, Ostern ohne Besuch der Heiligen Messe zu feiern. Aber auch hier zwingen uns die Umstände uns neu auf das zu besinnen, was uns als Christen ausmacht, was Glauben ist und Gebet, was die Sakramente sind und bewirken. Unser Bischof Helmut Dieser spricht in seinem Hirtenbrief zur Corona-Krise davon, dass diese außergewöhnliche Situation uns  auch folgendes nahelegen kann: „das tiefe Gespür, wie kostbar unser Glaube ist, vielleicht auch in der Gestalt der Sehnsucht, tiefer glauben zu können; das Gebet als Zuflucht zu erfahren, weil es unsere Situation verändert, uns tröstet, uns tief innerlich froh macht und froh erhält; je länger je deutlicher zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig und was leer
und verzichtbar ist; den Wert der Gemeinschaft in der Familie und im Freundeskreis und die Bedeutung der Solidarität für die ganze Gesellschaft tief zu empfinden und selber wieder bewusster ein sozialer Mensch sein zu wollen; eine neue Gewissheit zu entdecken, wer ich bin, weil Gott in meinem Leben wirkt; nach innen zu gehen und Gottes Frieden neu zu kosten, weil der Herr nahe ist.“

Schließen möchten wir dieses vielleicht eher geistliche Schreiben mit der Einladung unseres Bischofs an uns alle zum gemeinsamen Gebet und Fürbitten füreinander, besonders für die an Corona Erkrankten und die Verstorbenen. Das Gebet durchbricht die Begrenzungen von Raum und Zeit und ist in diesen Zeiten der Trennung und der Isolation ein Instrument, uns aufs Engste mit Gott und mit einander zu verbinden.

Ostern. Fest der Auferstehung Christi. Fest des Sieges über den Tod in all seinen Formen. Fest des Sieges über das Böse und über die Sünde, über alle Schwächen und Gebrechen, große und kleine. Ostern. Fest der Hoffnung. Eine Hoffnung, die trägt und nicht enttäuscht. Das ist unser Glaube und das sind unsere Wünsche für uns alle, besonders in diesen beunruhigenden Zeiten. 

In diesem Sinne wünschen wir allen von Herzen ein gesegnetes Osterfest und verbleiben
in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen,

Gudrun Zentis, Maria Buttermann, Norbert Glasmacher