Kamerafahrten durch die Basilika vom Tablet aus

Mittels moderner Technik sendet Steinfeld in die weite Welt hinaus. Weitere Schritte sind geplant

Die Handlungen von Pater Wieslaw und der beiden Messdiener Ben Nellessen und Jonas Zöll werden mittels Kamera in die Wohnzimmer vieler Gläubiger übertragen. (c) Ursula Weyermann
Die Handlungen von Pater Wieslaw und der beiden Messdiener Ben Nellessen und Jonas Zöll werden mittels Kamera in die Wohnzimmer vieler Gläubiger übertragen.
Datum:
Di 7. Jul 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 28/2020 | Ursula Weyermann

Sebastian Pönsgen hat alles im Blick. Die Uhr auf seinem Monitor zählt rückwärts. Noch drei Minuten und 24 Sekunden, dann geht er auf Sendung. Hört sich jetzt erst einmal nicht ungewöhnlich an. Wir befinden uns hier aber nicht im Studio eines TV-Senders, sondern in der Basilika das altehrwürdigen Klosters Steinfeld. 

Sebastian Pönsgen steuert die Kamerafahrt vom Tablet aus. (c) Ursula Weyermann
Sebastian Pönsgen steuert die Kamerafahrt vom Tablet aus.

Pönsgen ist der „Streamer“ und hat mit Hilfe des Steinfelder Teams und des Marmagener Teams schon 40 Gottesdienste und ein Taizégebet im Video-Kanal Youtube plaziert. Noch 53 Sekunden. Die Bühne – oder besser gesagt der Altarraum – ist gut ausgeleuchtet, die Orgel setzt ein. Pönsgen ist zufrieden. Noch eine Sekunde! Die Schellen klingeln, und andächtig betreten die beiden Messdiener Ben Nellessen und Jonas Zöll das Szenario, gefolgt von Pater Wieslaw Kaczor. „Mir nach, spricht Christus unser Held“, stimmt der Pater das Lied 461 aus dem Gotteslob an. Läuft!

„Als das los ging mit Corona, hab’ ich mir gedacht, man müsste Normalität bewahren“, schildert Sebastian Pönsgen die Anfänge. Dann sei die Idee mit den Videos aufgekommen, und Pater Wieslaw war davon sehr angetan. Mit einfachsten Mitteln und Unterstützung von Michael Pützer, Stefan Hönig und Gudrun Klinkhammer sind sie in Steinfeld gestartet. Fast zeitgleich in Marmagen, hier unterstützt von Andreas Christen und Dietmar Maus. 
„Ich begrüße die Schwestern und Brüder hier in der Basilika und an den Bildschirmen“, sagt der Geistliche, der auch gleichzeitig Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Steinfeld ist. Noch vor Beginn der Krise hat er WLAN in der Basilika installieren lassen. Diese kabellose Technik kommt jetzt den realen und den virtuellen Besuchern zugute. Technik und Social Media scheut der 61-Jährige nicht. Whatsapp und Facebook sind ihm durch die Neffen geläufig. Er hat auch schon einmal eine entsprechende Schulung beim Bistum absolviert. Jetzt spricht er von schwer verdaulichen Worten aus dem Evangelium. „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.“


Große virtuelle Aufmerksamkeit

Das „Streaming-Team“ hat aufgestockt. Mittlerweile verfügt es über eine spezielle Kamera, die der Förderverein bezahlt hat. „Kamerafahrten machen wir jetzt vom Tablet aus“, erzählt Sebastian Pönsgen nicht ohne Stolz. Das neue Equipment ist auch zur Übertragung der Feldmesse an Fronleichnam genutzt worden, die auch virtuell große Aufmerksamkeit gefunden hat.

Eine Stunde, eine Minute und 17 Sekunden zählt die Uhr auf Sebastian Pönsgens Monitor, als Pater Wieslaw den Segen spricht. Nach weiteren zwei Minuten verlassen er und die beiden Messdiener den Altarraum, von über 60 zugeschalteten Geräten aus verfolgt. Später werden sich noch viele Menschen das Video auf Youtube ansehen. „Sogar aus Amerika und aus Polen, meiner Heimat“, weiß der Geistliche. „Und die sehen schon genau hin“, erzählt er schmunzelnd. Einmal habe er vergessen, sich vor der Kommunion die Hände zu desinfizieren. Da habe es sofort Kritik gegeben. Zu Recht, wie er betont.

Längst finden wieder Gottesdienste mit Publikum statt unter Einhaltung der vorgegebenen Abstands- und Hygiene-Auflagen. An der Idee der Live-Übertragungen möchte Pater Wieslaw aber auch „nach Corona“ festhalten. Und er hat Ideen, die darüber hinaus gehen und andere Pfarreien mit einbeziehen. „Man könnte zum Beispiel eine Predigt in einer anderen Kirche übertragen. Vielleicht auch eine Eucharistiefeier“, überlegt er. „Vielleicht auch ein Orgelspiel, zu dem die Menschen an einem anderen Ort dann singen können.“ Natürlich sollten da die Ehrenamtler mit einbezogen werden, „ohne die gar nichts läuft“, ergänzt er. „Und nicht zu vergessen die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche.“

 

Weitere Informationen der GdG Steinfeld zu unter anderem den Veranstaltungen 
mit und ohne Live-Stream und zu den aktuellen Mitarbeitern sind unter 
www.gdg-steinfeld.de zu finden.