Die „Freiheit“ im Jahr zwei

Gemeindeassistentin Birgit Schmidt zieht eine positive Ausbildungsbilanz und hat neue Aufgaben im Blick

Im Jahr zwei taucht Birgit Schmidt (r.) richtig in die Gemeindearbeit ein – dazu gehören auch Gespräche mit Pfarrsekretärin Anita Schwenzer. (c) Michael Franken
Im Jahr zwei taucht Birgit Schmidt (r.) richtig in die Gemeindearbeit ein – dazu gehören auch Gespräche mit Pfarrsekretärin Anita Schwenzer.
Di 3. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 36/2019 | Dorothée Schenk

Das erste Jahr ist geschafft. „Ich denke jedes Mal: Was ist es schön, dass ich den Schritt gewagt habe!“ Die Jackeratherin Birgit Schmidt schwärmt immer noch von ihrem Berufswechsel vom hauptberuflichen Coach zur Gemeindereferentin. Eine Bilanz des ersten Jahres ihrer Assistenzzeit in der Pfarrei Herz Jesu in der GdG Rheydt-West.

­­ Frisch aus dem Urlaub startet die 47-Jährige ins zweite praktische Ausbildungsjahr. „Ich habe das Gefühl: Jetzt kann ich endlich Fahrt aufnehmen und loslegen. Vorher war es eher das Empfinden, mit angezogener Handbremse zu fahren. Das heißt, ich konnte kein großes Projekt übernehmen, weil die Schule Vorrang hatte.“ Unterricht, das war es, was das erste Jahr vor allem bestimmt hatte: Vorbereitung, Nachbereitung, Lehrproben. Das kostete schon sehr viel Zeit und Energie, resümiert die Gemeindeassistentin. „Ich habe mit meinen Schülern auch gefeiert, und es war eine wunderschöne Zeit, aber ich freue mich auf die Gemeinde, weil mir die Vielfalt dieser Arbeit keine Schule bieten kann“, sagt sie. Trotzdem ist sie schon gespannt darauf, bei den ersten Schulgottesdiensten in St. Margareta, die sie weiterhin mitgestalten wird, „ihre“ ehemaligen Erstklässler wiederzutreffen.

Der Kontakt wird schließlich auch bleiben, denn auch in der Erstkommunion-Vorbereitung ist sie eingesetzt und rechnet natürlich fest damit, einigen Kindern dann wiederzubegegnen. Neben der Schule blieb aber unterm Strich wenig Zeit, sich in anderen Tätigkeitsfeldern einzubringen. Dennoch hat Birgit Schmidt das Jahr genutzt, für sich eine entscheidende Weichenstellung vorzubereiten: Die Ausbildung für den Begräbnisdienst, der üblicherweise erst im dritten Jahr angesetzt ist, hat sie schon Ende des ersten Assistenzjahres absolviert. „Es gibt in Herz Jesu viele Ehrenamtliche, die Begräbnisdienst leisten, aber ich möchte als Hauptamtliche, wenn alle Stricke reißen, unterstützen können. Ich glaube auch, dass es eine Aufgabe ist, die mir liegt, die mich interessiert.“

 

Birgit Schmitz

Jetzt kann ich endlich Fahrt aufnehmen und loslegen.

Ein Grund: Sie selbst hat nach dem Tod ihres Vaters erfahren, wie der Glaube einen Menschen durch eine schwere Zeit tragen kann. „Einen ehrlicheren Kontakt als in einer solchen Grenzsituation – selbst wenn es nur punktuell und kurz ist – kann es kaum geben.“ Es ist eine seelsorgerische Herausforderung, die der Jackeratherin gefällt. Diese Individualität in der Begleitung ist das Besondere für Birgit Schmidt, das sie anregt. Zwar seien im Begräbnisdienst die liturgischen Abläufe geregelt, aber „ich habe einen Spielraum, in dem ich Ansprachen formulieren kann und die für die Angehörigen passenden Texte heraussuchen kann. Selbst wenn ich nicht die Worte finde, kann ein anderer sie für mich formulieren.“ Die wichtigste Tugend ist ihrer Ansicht nach, „herauszuspüren, was die Hinterbliebenen möchten, wieviel Nähe – und auch zu akzeptieren, wenn Grenzen gezogen werden. Ich glaube, das Wichtigste ist: erst einmal zuzuhören.“ Das passende Gewand hat sich die Gemeindeassistentin für die neue Aufgabe auch schon ausgewählt und festgestellt, dass sie keine „kirchlichen Gardemaße“ hat: „140 Zentimeter ist zu lang, 130 zu kurz“, erzählt sie lachend.

 

Ermutigung, den eigenen Weg zu finden und auch zu gehen

Ein zweites Aufgabenfeld hat Birgit Schmidt ebenfalls für sich ausgemacht: die Glaubensarbeit mit Frauen. Am vergangenen Wochenende begleitete sie die Rheydter KFD nach Kevelaer. Sie hat Impulse für die Busfahrt zusammengestellt, die Andacht für den Hinweg und einen Abschlussimpuls vorbereitet. „Ich kann mich einfach nur freuen, mit den Frauen gemeinsam unterwegs zu sein“, ist auch hier das Herzblut bei der Aufgabenerfüllung zu spüren, und die kommt offenbar an, denn, so sagt die Gemeindeassistentin lächelnd: „Ich höre heraus, dass die Frauen sich ebenso darüber freuen.“

Sie betont, dass die Entscheidung für das Arbeitsfeld „Frauenseelsorge“ eine rein persönliche sei. Zwar sei sie die einzige Frau in einer Männerrunde, aber die „Geschlechterfrage“ stelle sich nicht. Pfarrer Michael Schicks fördere die Laien nach ihren Begabungen und Bedürfnissen. Ebensoviel lobende Worte findet die Gemeindeassistentin für ihren Anleiter Roland Weber. „Er ist jemand, der mich motiviert, die Dinge auf meine Art und Weise zu machen. Er gibt mir den Raum anzuschauen, was die anderen pastoralen Mitarbeiter machen, aber auch, meinen eigenen Weg zu beschreiten. Das ist für mich sehr schön.“ Der eigene Weg kann auch bedeuten, dass in einer Ansprache zum Gebetstag für pastorale Dienste, um die Birgit Schmidt gebeten worden ist, auch kritische Töne zur Sprache kommen, wenn es um die Berufung geht, „die uns alle betrifft“. Viele positive Rückmeldungen hätte sie erhalten, die den eigenen Weg natürlich stärken.

Im zweiten Jahr gehört zum „Programm neben der ersehnten Gemeindearbeit die weitere Ausbildung durch viele Fortbildungen. Auf dem Stundenplan stehen Zeitmanagement, Arbeitsmanagement und Caritas sowie Homiletik (Predigtlehre) und Rhetorik. Außerdem wird es natürlich weiterhin die „Treffen der 7“ geben. So viele Gemeinde- und Pastoralassistentinnen befinden sich derzeit in Ausbildung. Der Schwerpunkt liegt dann auf den Besuchen der verschiedenen Einsatzorte, um die Aufgabenfelder und andere Gemeinden kennenzulernen. Nach dem ersten prüfungsintensiven Jahr freut sich Birgit Schmidt über das mehr an Freiheit im Jahr zwei. Jetzt hat sie wieder Zeit, sich ihrer Freude am Singen zu widmen. Seit zwei Wochen probt sie mit im Rheydter Kirchenchor. Auch berufliche Abendtermine könne sie nun wahrnehmen. Und das eigene Fahrrad ist inzwischen in der Gemeinde angekommen. „Dadurch, dass ich nicht so viel für die Schule transportieren muss, kann ich mit dem Rad unterwegs sein. Das geht in diesem Gebiet ja ganz wunderbar.“

Einen Schwerpunkt der Arbeit wird die Vorbereitung der Erstkommunion einnehmen. Keine kleine Aufgabe: „Wir haben rund 100 Kinder angeschrieben“, erzählt Birgit Schmidt. In der vergangenen Woche hatte sie zum ersten Elternabend eingeladen. Das Leitmotiv steht noch nicht fest. Darüber wird mit Eltern und Katecheten gemeinsam entschieden. „Und nach dem Sommer kommt irgendwann Weihnachten“, sagt die Gemeindeassistentin grinsend und meint damit, dass in den kommenden Wochen auch ein Krippenspiel vorbereitet werden muss. Ebenfalls schon in greifbarer Nähe ist die Klausurtagung des Pastoralteams im Oktober. Dort werden die weiteren Pläne für die Gemeindearbeit geschmiedet. Einiges Nachdenken erfordert es für die 47-Jährige, zu beschreiben, was es für sie ausmacht, Gemeindereferentin zu werden, warum es sie so froh macht? Birgit Schmidt: „Es ist die Vielfalt der Aufgaben, das gemeinsame Unterwegssein, das aktive Leben. Und: ein Glaubenszeugnis abzulegen. Ich werde so hinterfragt.“