Mit Tränen in den Augen und zugleich voll Dankbarkeit für die Führung Gottes in Vergangenheit und Gegenwart ...

Ansprache von Äbtissin Sr. Michaela Hohmann OSB, Abtei Maria Heimsuchung, Steinfeld

OSBSteinfeld
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Do 25. Apr 2019
Ordensbüro

Zum Abschied: Ansprache von Äbtissin Sr. Michaela Hohmann am Ende des Pontifikalamtes mit Bischof Dr. Helmut Dieser am Sonntag Laetare, 31.03.2019

 

Lieber Herr Bischof, Geliebte von nah und fern!

Gerne halte ich mich an diese neutestamentliche Anrede, mit der wir alle in der Tiefe unseres Christseins angesprochen sind.

Wir danken Ihnen, dass Sie heute gekommen sind!

Sie sagen damit, dass dieser Ort und dieses Kloster für Sie eine Bedeutung haben. Sie sagen damit, dass Ihnen unsere Gemeinschaft wichtig ist.

Und wir sagen Ihnen: Für uns ist es wichtig, dass wir zum bevorstehenden Abschied von

Steinfeld miteinander die Eucharistie gefeiert haben. Wir danken Gott, wir danken allen

Priestern, die Tag für Tag mit uns die Hl. Messe gefeiert haben und feiern, wir danken unseren Brüdern und Schwestern im Kloster nebenan, unseren Nachbarn und Gästen, allen, die uns verbunden sind und uns – in welcher Form auch immer – helfen und unterstützen!

Bald werden wir unser schönes Kloster hier in Steinfeld verlassen. Da möchte ich zunächst

einmal klarstellen: Unsere Abtei wird nicht aufgelöst, wie immer wieder behauptet wird, wie man da und dort lesen kann. Die Abtei Maria Heimsuchung, unsere Gemeinschaft zieht um – in ein kleines Kloster, das unserem Alter und unseren nun mehr begrenzten Möglichkeiten entspricht.

Viele Fragen nach unserem konkreten Alltag in Bonn können wir noch nicht beantworten.

Vieles muss sich dort einfach Schritt für Schritt zeigen.

Die Fragen nach unserem Haus hier können wir nun, Gott sei Dank, beantworten: Wir sind

froh, dass die Kloster Steinfeld KG mit Herrn Scheidtweiler und den Salvatorianern Haus und Kirche übernehmen.

Über all die Jahre haben hier viele Menschen geistliche Heimat gefunden. Viele Gäste haben uns sehr viel im Stillen anvertraut. Wir haben mit Ihnen Leben aus dem Glauben geteilt, die

Freude des Glaubens und die Not des Glaubens, Zweifel, Ängste, Sorgen und Überraschungen ... Glauben teilen – das möchten wir auch heute tun.

Wir gehen mit Tränen in den Augen – und zugleich voll Dankbarkeit für die Führung Gottes in Vergangenheit und Gegenwart. Die Wirklichkeit ist oft anders, als man sie sich wünscht, aber sie ist immer der “Ort” des Glaubens. Gott hat uns anders, als wir es uns je vorstellen

konnten, geführt. Er hält uns anderes hin, Neues, noch Unbekanntes – und hofft, dass wir es ergreifen.

Der Heilige Johannes Chrysostomos hat im 4. Jahrhundert etwas Wunderbares geschrieben:

“Christus gibt sich durch alles hindurch, nicht damit wir uns bei seinen Gaben aufhalten,

sondern damit wir jubeln vor dem unsagbaren Übermaß seiner Liebe! Fordere keine Antwort auf das Warum der Geschehnisse, das ist kleinlich, denn die Vorsehung erklärt sich nicht, ihr Fürsorge ist unbegreiflich … Sei es das helle Brot des Trostes oder das dunkle Brot der Trostlosigkeit, es ist immer Brot, es ist Gabe untrennbar vom Geber!”

Alles ist Gnade! Im Vertrauen auf diesen göttlichen Geber ziehen wir um nach Bonn und

hoffen, dort eine neue Heimat zu finden, glaubend wissend, dass unsere Heimat im Himmel ist (Phil 3,20).

Und jetzt – gleich nach dem Segen – möchten wir mit Ihnen Begegnung feiern bei Kaffee und Kuchen nebenan im Kloster, wozu Sie alle herzlich eingeladen sind.

Sr. Michaela Hohmann OSB