Feuer - Atem - Wasser - Komm, Heiliger Geist!

Impuls für Juni von Sr. Martina Kohler SSpS, Eschweiler

Sr. Martina Kohler (6)
Sr. Martina Kohler (6)
Do 23. Mai 2019
Ordensbüro

Komm, Heiliger Geist!

An Pfingsten hören wir im Evangelium folgende Erzählung: Da sitzen die verängstigten Jünger hinter verrammelten Türen. Sie haben keinen Mut mehr. Von ihrer früheren Begeisterung für das Reich Gottes ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zweifel und Ängste haben sich in ihren Herzen eingenistet. Sie wissen nicht mehr weiter und sind innerlich wie gelähmt. Plötzlich kommt Jesus in ihre Mitte. Er macht ihnen keine Vorwürfe. Er hält ihnen keine Predigt. Statt dessen schenkt er ihnen, was sie jetzt am meisten brauchen. Er sagt ihnen den Frieden zu. Indem er sie anhaucht, schenkt er ihnen seinen Heiligen Geist.

In der Apostelgeschichte hören wir die Pfingsterzählung, die uns vielleicht vertrauter ist. Die Jünger werden vom Heiligen Geist so sehr erfasst, dass sie ihre Menschenfurcht überwinden. Plötzlich finden sie eine ganz neue Sprache, eine Sprache, die jeder versteht.

Doch wer ist das eigentlich, der Heilige Geist? Jedes Mal, wenn wir das Kreuzzeichen machen, sprechen wir seinen Namen aus. Und doch ist es so schwer zu sagen, wer er wirklich ist. Er lässt sich so schwer fassen in unseren Erklärungsversuchen. Die Bibel kennt diese Schwierigkeit. Darum benutzt sie, wenn sie vom Heiligen Geist spricht, gerne Bilder und Symbole.

Da ist einmal das Feuer. Es hat eine ungeheure Kraft. Schon ein kleiner Funke kann einen gewaltigen Brand verursachen. Das Feuer schenkt Wärme und Helligkeit. Aber man kann sich daran auch verbrennen. Was vom Feuer erfasst wird, das bleibt nicht in seinem Zustand – es wird verwandelt. Was es bedeutet, dass der Geist Gottes wie Feuerzungen auf die Jünger herabkam, das hat mir einmal ein kleiner Junge im Religionsunterricht anschaulich gemacht. Der Pfarrer hatte in der Klasse die Pfingsterzählung vorgelesen und die Kinder danach gebeten, ein Bild dazu zu malen. Der kleine Thomas nahm spontan ein Blatt Papier und fing an, lauter Köpfe darauf zu malen. Als das Blatt schließlich voller Köpfe war, nahm er einen leuchtend roten Stift und begann, über jeden der Köpfe eine Feuerflamme zu malen. Dabei sagte er jedes Mal vor sich hin: "Du bist getroffen – und du bist getroffen – und du bist getroffen...!". – Wir sprechen manchmal vom Feuer der Begeisterung oder auch von einem brennenden Herzen, wenn uns etwas besonders bewegt und betroffen macht. So möchte auch Gottes Geist uns von innen her ergreifen. In einem Gebet der Ostkirche heißt es: Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet.

Das zweite Symbol für den Heiligen Geist: der Atem, der Hauch, der Wind oder auch der Sturm. Wir alle wissen, was für eine Gewalt ein Sturm haben kann. Da werden Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt oder Maste umgeknickt. Im Sturm steckt eine gewaltige Energie. Wenn der Heilige Geist mit dem Sturm verglichen wird, dann können wir vielleicht ahnen, welche Kraft die Jünger an Pfingsten in ihrem Inneren erfahren haben. – Schon ganz am Anfang der Bibel, in den ersten Versen der Genesis, also dem ersten Buch des Alten Testamentes, ist ebenfalls vom Geist Gottes die Rede. Dort wird das hebräische Wort "ruach" gebraucht, was soviel heißt wie "Atem" oder "Hauch". Dieses hebräische Wort ist eine weibliche Form. Gottes Hauch ist seine schöpferische, mütterliche Kraft. Mit Zärtlichkeit und Phantasie schafft er aus dem Chaos (hebr. "tohuwabohu") einen Kosmos, einen Lebensraum für alle seine Geschöpfe. In einem alten Hymnus der Kirche beten wir zum Heiligen Geist als dem "Schöpfer Geist, der Leben schafft". Diese lebenschaffende Kraft hat nicht nur am Anfang der Schöpfung gewirkt, sondern sie will unser Leben täglich durchdringen.

Ein drittes Symbol für den Heiligen Geist ist das Wasser. Wasser ist etwas, was wir im Alltag immer wieder nötig haben. Das fängt schon morgens an beim Zähneputzen und Waschen, beim Duschen, beim Kaffeekochen und Trinken. Wasser reinigt uns, wenn wir schmutzig sind, es erfrischt und stärkt uns, wenn wir durstig sind, es kühlt uns in der Hitze. Ohne Wasser gibt es für uns kein Leben. Ich habe einmal auf den Philippinen eine sehr lange Zeit ohne Regen erlebt. Alles Gras und alle Pflanzen waren vertrocknet - ein trostloses Bild. Aber als dann der erste Regen kam, wurde alles wie durch ein Wunder wieder grün. So konnte das Leben neu erwachen. In der Taufe wird der Täufling mit etwas Wasser übergossen. Bei der Segnung des Taufwassers betet der Priester: „Schenke diesem Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit der Mensch, der auf dein Bild hin geschaffen ist, eine neue Schöpfung werde aus Wasser und Heiligem Geist“. Und im Sakrament der Firmung werden uns die Gaben des Heiligen Geistes in besonderer Weise geschenkt. Daran möchte uns das Pfingstfest dankbar erinnern.

So dürfen wir – nicht nur an Pfingsten - den Heiligen Geist bitten:

Komm in unsere Herzen,
entzünde uns mit dem Feuer der Begeisterung,
bringe uns in Bewegung mit deinem Sturm
und stärke uns an der Quelle lebendigen Wassers!
Amen.

Sr. Martina Kohler SSpS