Bildungsverbesserer

Carlos Romero schreibt in Aachen seine Doktorarbeit über das kolumbianische Bildungssystem

Carlos Romero (c) Kathrin Albrecht
Carlos Romero
Do 23. Mai 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 21/2019 | Kathrin Albrecht

Das Heimweh merkt man Carlos Romero ein bisschen an, wenn er von seiner Heimat erzählt. Von Bogotá etwa, der Stadt, in der der 39-jährige Kolumbianer zu Hause ist: „Bogotá ist etwas chaotisch, aber wir sind stolz auf unsere Stadt.“ Seit neun Monaten ist Romero in Deutschland, in Aachen schreibt er seine Doktorarbeit.  

Seine Heimat ist auch Gegenstand der Dissertation, er befasst sich mit der Struktur des universitären Bildungssystems in Kolumbien. Das, meint er, bedürfe dringend einer Reform. „Das Bildungssystem ist sehr westlich orientiert. Die meisten Universitäten sind privat und sehr teuer“, erläutert Carlos Romero. Viele finanzieren ihr Studium mit Krediten und verschulden sich dafür. Außerdem schließe das derzeitige System Teile der Bevölkerung aus – die indigenen Kulturen zum Beispiel. Wie dieses System umgestaltet werden könnte und was es dafür bräuchte, daran forscht Carlos Romero. Vor neun Monaten kam er durch das Programm „Colfuturo“, ein Kooperationsprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes mit Kolumbien, nach Deutschland, belegte zunächst in Kassel einen Deutschkurs, suchte einen Doktorvater für seine Dissertation. Und fand ihn in Aachen, am Institut für katholische Theologie der RWTH, in Gestalt von Guido Meyer und Raul Fornet y Betancourt. „Wir brauchen eine Philosophie der Bildung und einen Dialog der Kulturen“, sagt Carlos Romero. Das öffentliche System müsse gestärkt werden, ebenso die Perspektive der indigenen Bevölkerung. „Als Beispiel gibt es in Cauca eine öffentliche Universität mit einer interkulturellen Perspektive. Das sind gute Ansätze, davon sollte es mehr geben.“ 

 

Die Zukunft im Friedensprozess ist unsicher

Und dann ist da der Friedensprozess, den die Regierung unter Manuel Santos und die Farc 2016 mit einem Vertrag besiegelten. „Allein die Guerilleros in die Zivilgesellschaft zu integrieren, ist eine immense Bildungsaufgabe“, sagt Romero. Unter der aktuellen Regierung von Ivan Duque ist der Prozess ins Stocken gekommen. Duque machte im Vorfeld keinen Hehl daraus, dass er das Friedensabkommen ab
lehnt. „Im Moment ist es problematisch“, kommentiert Romero. Konservative Gruppen, unter anderem evangelikale Christen, mischten sich ein, würfen die Rechte der indigenen Bevölkerung mit den Rechten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in einen Topf.

Das Bistum Aachen verbindet eine über 50-jährige Partnerschaft mit Kolumbien. Auch Romero erhält eine kleine Unterstützung im Rahmen der Partnerschaft. „Ich hatte als Jugendlicher eine enge Beziehung zur Kirche.“ Katechet war er, sang in Kirchenchören, spielte Gitarre, Kontrabass und Klavier. Die katholische Kirche ist in Kolumbien Träger von privaten Schulen und Universitäten. Ihre Rolle im Friedensprozess war eher zurückhaltend. Die 1995 von der Kirche gegründete Versöhnungskommission setzt sich vor Ort für die Rechte der Opfer und für die Versöhnung der Konfliktparteien ein. Trotz aller Unsicherheit blickt Carlos Romero hoffnungsvoll in die Zukunft. „Kolumbien hat große Potenziale, vor allem mit Blick auf neue Energien, Umweltschutz und Landwirtschaft.“ Um diese auszuschöpfen, brauche es den Frieden und den Dialog der Kulturen.