Morgenvogel (c) Photo by Ray Hennessy on Unsplash

7. Sonntag der Osterzeit // Sonntagsfeier zu Hause

Morgenvogel
Sa 23. Mai 2020
Annette Jantzen

Zur Einstimmung:
Einen Platz aussuchen und schön herrichten für diese Feier am Sonntag, mir geschenkte Zeit. Die Menschen in Gedanken sammeln, die ich mit hineinnehmen möchte in meine Feier, und in dieser Sammlung eine Kerze entzünden.

Lieblingsmusik spielen, Vorschlag: Dann soll da Liebe sein

 

Psalmgebet:
Gott, du machst mein Leben hell und frei - vor wem sollte ich mich fürchten? Gott, du bist meine Lebenskraft - ich möchte keine Angst mehr haben müssen.

Ich wünsche mir so sehnlich, deine Nähe zu spüren an jedem Tag, den ich lebe, und deine Schönheit zu erkennen in allem, was ist.

Höre mich doch, Gott! Lass mich merken, dass du mich siehst!

Ich habe gehört von dir, Gott, gehört dass du sagtest: Sucht nach mir! Ich suche dich, Gott, ich suche dich so sehr. Verlass mich nicht!

Zeige mir, Gott, was gut ist im Leben, und hilf mir, mich zu entscheiden für das, was gut und richtig ist.

Ich will mich festhalten an der Hoffnung, dass ich dich sehen werde, dass du mich sehen wirst, dass ich bei dir leben werde in Ewigkeit.

(Nach Psalm 27)

 

Das Evangelium lesen (Johannes, Kapitel 17):
Dies [gemeint sind die Abschiedsreden] sagte Jesus. Dann blickte er auf zum Himmel und sagte: "Du, Gott, hast mich erwählt und die Zeit ist gekommen. Lass den göttlichen Glanz deines Erwählten erstrahlen, damit dein Erwählter dich erstrahlen lässt, genauso wie du ihm Macht über alle Geschöpfe gegeben hast, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. Dies aber ist das ewige Leben: Dass sie dich, den allein wahren Gott, und Jesus, den Messias, den du gesandt hast, erkennen. Ich habe deinen Glanz auf der Erde leuchten lassen, indem ich das Werk vollendet habe, das du mir zu tun aufgetragen hast. Und jetzt, Gott, lass mich bei dir strahlen in dem Glanz, den ich bei dir hatte, bevor die Welt existierte.
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort beachtet. Jetzt haben sie erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen weitergegeben. Und sie haben sie aufgenommen und wahrhaft erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zum Glauben gelangt, dass du mich gesandt hast. Ich bitte für sie. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein. Und mein göttlicher Glanz strahlt in ihnen. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich gehe zu dir."

 

Auslegung:
Ein Gebet, natürlich. Jesus in den Mund gelegt, gebetet um ihm ganz nahe zu sein. Es mäandert in immer neuen Wendungen um funkelnde Leuchtwörter herum: Glanz, Name Gottes, erkennen. Geschrieben für Menschen mit einem Alltag, mit Freuden und Sorgen beschäftigt.

Ein Gebet wie der Psalm:  Dass du doch da seiest, Gott, dass deine Liebe doch spürbar sei, dass wir davon doch etwas merken könnten, dass dein göttlicher Glanz in uns strahlt, dass wir bei dir aufgehoben seien. Johannes sagt: Ja. Ja, da könnt ihr drauf vertrauen, so ist das. Der Glanz Gottes ist in euch, und ihr lebt in seinem Namen. Der Name Gottes - ein unerschöpfliches Thema. Bei Johannes wird es auf den einen Punkt gebracht: Jesus.

"Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart", sagt Jesus in diesem Gebet. Der Name Gottes - ich bin die* ich bin. So einfach, so unsichtbar und gewaltig wie ein Atemzug. Wenn man den unnennbaren Namen Gottes, wie er in der Bibel umschrieben ist - JHWH, übertragen eben mit "ich bin der* ich bin" - sprechen wollte, es ähnelte einem Atemgeräusch, wie Wind, geatmet das Leben hindurch: Einfach da. Dem äußeren Lauf der Welt sieht man das nicht an. Niemand hat Gott je gesehen, und die Welt lässt sich sehr gut auch ohne Gott erklären. Ununterscheidbar ist auch Jesus von anderen Menschen. Alle Unterschiede, Hervorhebungen und Ehrungen auch in der Kirche sind spätere Entwicklungen. So ununterscheidbar ist Gott da, dass es eine Entscheidung ist: An diese Gegenwart zu glauben oder nicht. Gott zwingt nicht und überwältigt nicht. Sie* atmet nur in uns.

Aber es wird konkreter als nur ein bisschen lauer Wind. So konkret wie es nur geht, in einem Menschenleben, bei Jesus von Nazareth. An ihm sehen wir, wie das ist mit Gott, wie Gott da ist: Er* wendet sich den Menschen zu. Verurteilt nicht. Heilt. Nimmt die Menschen, wie sie sind. So war es an Jesus zu sehen, so kann es bei uns sein.

Das zu "erkennen", wie Johannes sagt, ist kein schwieriges intellektuelles Rätsel, sondern eine Ahnung, bei der einem nicht nur ein Licht, sondern auch das Herz aufgeht. Das brauche ich nicht zu machen, dafür muss ich mich nicht anstrengen und besonders gut sein, dafür reicht, der Sehnsucht Lauf zu lassen: Lass mich bei dir strahlen, Gott. Ich will mich festhalten an deinem Atem in mir und an der Hoffnung, dass ich dich sehen werde, dass du mich sehen wirst, dass ich bei dir leben werde in Ewigkeit.

 

In Verbundenheit beten:
Ich stimme ein in ein welt- und zeitenumspannendes Gebet, hineingenommen in das Gebet Jesu selbst, der es mir einfach machen will:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

 

Zum Ausklang:
Aufstehen und im Stehen nachklingen lassen: Von Kopf bis Fuß und mit Namen gewollt, gemeint und geliebt zu sein.  Meinen Atem fließen lassen, mich in Gott hineinatmen, für einen dichten Moment, in dem mein Herz in Gottes Rhythmus schlägt. Hier bin ich.

Mich schließlich mit einem bewussten Ausatmen aus der gehaltenen Spannung verabschieden, vielleicht mit den Händen von oben nach unten über die Arme und den Oberkörper streichen.

 

Abschließend beten:
Gott, bleibe bei mir, bleibe bei uns. Lass mich Zuversicht atmen
und bewahre unser Leben bei dir. Amen.

 

Lieblingsmusik spielen. Vorschlag: Demain, c'est toi

 

Haben Sie Wünsche an die Sonntagsfeiern? Sie erreichen mich unter annette.jantzen@bistum-aachen.de  der bei facebook: gotteswort, weiblich