Die Kirche und das Geld

Was ist ein "Bistum"?

Ein Bistum (auch Diözese) ist ein territorial abgegrenzter kirchlicher Verwaltungsbezirk. Geleitet wird das Bistum vom Bischof, der die volle Rechts- und Verwaltungshoheit für das Territorium innehat. Vertreter des Bischofs ist der Generalvikar. Die Bistümer sind in Pfarreien untergliedert, denen in der Regel ein Pfarrer vorsteht.

Was ist die Aufgabe der deutschen Bischofskonferenz?

Die Bischöfe aller Diözesen Deutschlands haben sich in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zusammengeschlossen. Sie hat folgende Aufgaben: Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, gegenseitige Beratung, Koordinierung der kirchlichen Arbeit, Erlass von Entscheidungen und Pflege der Verbindung zu anderen Bischofskonferenzen. Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) ist Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz.

Wie groß ist das Bistum Aachen und wie viele Menschen leben dort?

Das Bistum Aachen ist das westlichste Bistum in Deutschland. Im Bistum Aachen leben ca. 1,04 Mio. Katholiken bei 2 Mio. Einwohnern insgesamt. Das Bistum wird geleitet von Bischof Dr. Helmut Dieser.

Es umfasst eine Fläche von 3.938 km² und erstreckt sich von der niederrheinischen Landschaft (Krefeld, Viersen, Mönchengladbach) im Norden über Bördelandschaft in der Mitte (Heinsberg, Düren, Aachen) bis zum Mittelgebirge im Süden (Eifel).

Was versteht man unter der Trennung von Staat und Kirche?

Staat und Kirche sind in Deutschland voneinander getrennt. Verfassungsmäßig verankert ist dies im Staatskirchenrecht, in dem das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen geregelt wird.

Was versteht man unter dem Selbstbestimmungsrecht der Kirche?

In Deutschland ist das Verhältnis von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich. Mit dem Staatskirchenrecht hat man verfassungsmäßige Bestimmungen geschaffen, die auf Religionsfreiheit, weltanschaulicher Neutralität des Staates und Selbstbestimmung aller Religionsgemeinschaften beruhen. Die Religionsausübung wird also nicht zur Privatsache erklärt, sondern bleibt öffentliche Angelegenheit, die aber dem Staat entzogen ist.

Mit Staatskirchenverträgen (sog. Konkordaten) treffen Kirche und Staat (Bundesländer) als gleichberechtigte Partner Regelungen zur Organisation und Struktur der Kirchen. Diese Regelungen stellen die kirchliche Betätigung in staatlichen Einrichtungen wie z.B. in Schulen, Hochschulen, Justizvollzugsanstalten und in der Bundeswehr sicher. Hierbei ist sowohl das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen als auch die Souveränität des Staats zu beachten.

Welches Rechtsverhältnis besteht zwischen Kirche und Staat?

Das Grundgesetz gewährleistet die „Freiheit des Glaubens" und die „ungestörte Religionsausübung". Der Staat muss es den Gläubigen ermöglichen, ihren Glauben öffentlich leben zu können. Er darf sich gegenüber der Kirche nicht gleichgültig oder gar ablehnend verhalten, wobei er an die Grundsätze von Toleranz und Gleichbehandlung gebunden ist. Dies zeigt sich beispielsweise darin,

  • dass die Kirchen den Status der „Körperschaft des öffentlichen Rechts" und die damit verbundenen Rechte erhalten haben, wie z.B. das Recht, eigene Steuern zu erheben,
  • dass die Kirchen ein Selbstbestimmungsrecht in „ihren eigenen Angelegenheiten" besitzen, z. B. in Form eines kirchlichen Arbeitsrechts.

Wichtigste Finanzquelle der Kirche ist die Abgabe ihrer Mitglieder: die Kirchensteuer. Die Kirchensteuer wird von den Kirchenmitgliedern, die Lohn- / Einkommensteuer zahlen, aufgebracht. Hinzu kommen öffentliche Zuschüsse, Spenden und Kollekten. Außerdem bezieht die Kirche Staatsleistungen und erzielt Vermögenserträge (z. B. aus Immobilienbesitz). Ordensgemeinschaften finanzieren sich und ihr Engagement im religiösen und sozialen Bereich im Wesentlichen durch ihre Arbeit und Spenden.

Wie funktioniert die Kirchenfinanzierung?

Die Kirchensteuer ist ein Beitrag der Kirchenmitglieder für ihre Kirche. Sie ist keine staatliche Subvention, sondern ein Beitrag zur Selbstfinanzierung der Kirche durch ihre Mitglieder.Die Kirchensteuer beträgt in der Regel neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer (in einigen Bundesländern acht Prozent). Sie wird über das Finanzamt eingezogen und an die Kirchen weitergegeben. Der Staat erhält für diesen Dienst zwischen zwei und vier Prozent des Kirchensteueraufkommens als Aufwandspauschale.

Warum gibt es die Kirchensteuer?

Wofür wird die Kirchensteuer verwendet?

Verwendet wird die Kirchensteuer des Bistums Aachen für die Seelsorge in den Pfarreien: z.B. Gottesdienste feiern, Sakramente spenden (Taufe, Erstkommunion, Firmung, kirchliche Trauung), kirchliche Begräbnisse.

Mit Kirchensteuermitteln werden auch die vielfältigen kirchlichen Aufgaben im sozial-caritativen Bereich, in Erziehung, Bildung und Kultur finanziert.

Wer zahlt Kirchensteuer?

Laut Grundgesetz darf jede Religionsgemeinschaft, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, von ihren Mitgliedern Kirchensteuer erheben. Es zahlen nur diejenigen Kirchensteuer, die lohn- oder einkommensteuerpflichtig sind. Bundesweit sind dies etwa ein Drittel aller Katholiken.

Wer entscheidet darüber, wie die Kirchensteuer verwendet wird?

Verwendet wird die Kirchensteuer im Bistum Aachen für die vielfältigen Aufgaben. Die Schwerpunkte der kirchlichen Aufgaben berät der Bischof mit den dafür zuständigen Gremien (Diözesankirchensteuerrat, Diözesanpriesterrat und Diözesanpastoralrat).

Aufgabe des Diözesankirchensteuerrates ist es, über Höhe und Verwendung der Kirchensteuer zu beraten und die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Er setzt den Kirchensteuersatz fest, beschließt das Budget und überwacht dessen Durchführung. Dem Diözesankirchensteuerrat des Bistums Aachen gehören drei Geistliche und zwölf Laien an, die aufgrund ihres Amtes oder durch Wahl der Kirchenvorstände bestimmt sind.

Hat der "einfache" Katholik Einfluss auf die Verwendung?

Jede der acht Regionen des Bistums Aachen entsendet einen Vertreter in den Kirchensteuerrat, der durch Wahl bestimmt wird. Weitere Kirchensteuerratsmitglieder sind zwei Vertreter, die der Diözesanpastoralrat benennt und zwei gewählte Vertreter aus dem Diözesanpriesterrat. Diese haben den Auftrag, die Interessen der Katholiken im Bistum Aachen zu vertreten. In gewisser Weise kann man hier eine Parallele zu den parlamentarischen Strukturen unseres demokratischen Staatswesens sehen.

Wieso geht die Kirchensteuer nicht direkt an die Kirchengemeinden?

Für die katholische Kirche gilt das System der diözesanen Kirchensteuer. Hier wird vom Bistum die zur Verfügung stehende Kirchensteuer an die verschiedenen Empfänger weitergeleitet. Kirchengemeinden mit einer einkommensschwachen Mitgliederstruktur benötigen ebenso wie Kirchengemeinden mit vielen einkommensstarken Katholiken eine finanzielle Grundausstattung. Um die Kirchensteuer gerecht zu verteilen, werden die Mittel nach einem Schlüsselverfahren vergeben, in dem auch die Besonderheiten einzelner Kirchengemeinden berücksichtigt werden. Diözesane und überdiözesane Einrichtungen, Schulen und Caritas-Einrichtungen erhalten ebenfalls Kirchensteuermittel. Ebenso werden Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten aus Kirchensteuermitteln finanziert.

Für welche öffentlichen Aufgaben erhält das Bistum Geld vom Staat?

Der plural verfasste Staat will nicht alle gesellschaftlichen Aufgaben wahrnehmen. Er stellt lediglich die Grundversorgung sicher. Der Staat überlässt es den gesellschaftlichen weltanschaulichen Gruppierungen, Aufgaben in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur wahrzunehmen. Dafür erhalten sie öffentliche Zuschüsse.

Was sind Staatsleistungen?

Staatsleistungen sind finanzielle Zuwendungen des Staates an die Kirchen. Zu den Staatsleistungen zählen alle Zuwendungen, die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhen. Sie haben ihren Ursprung überwiegend 19. Jahrhundert. Bei den Staatsleistungen infolge der Säkularisation handelt es sich unter anderem um Zahlungen für den Personal- und Sachbedarf der Bischöfe und Weihbischöfe, für die Ausbildung, Besoldung und Versorgung der Priester und anderer kirchlicher Mitarbeiter.

Was ist der "Bischöfliche Stuhl"?

Der Bischöfliche Stuhl bezeichnet zunächst das Amt und die Autorität des Bischofs. Der Begriff leitet sich her von der Kathedra, dem Bischofsstuhl, der in jeder Bischofskirche zu sehen ist. Es ist der ausschließlich für den Bischof reservierte Platz.

Abgeleitet davon bezeichnet der Bischöfliche Stuhl auch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er ist mit einem Vermögen ausgestattet, das dem Bischof zur Finanzierung seiner Aufgaben zur Verfügung steht.

Aus dem Bischöflichen Stuhl werden in erster Linie sozial-caritative Aufgaben und Projekte finanziert.

Wer hat die Aufsicht über das Vermögen des Bischöflichen Stuhls?

Die Aufsicht über das Vermögen des Bischöflichen Stuhls liegt beim Vermögensverwaltungsrat des Bistums Aachen. Mitglieder des Vermögensverwaltungsrats sind: der Generalvikar, ein Mitglied des Domkapitels sowie in der Regel vier vom Bischof zu ernennende Mitglieder, die in wirtschaftlichen Fragen sowie im weltlichen Recht wirklich erfahren sind und sich durch Integrität auszeichnen.

Wie setzt sich das Vermögen der Kirche zusammen?

Im Laufe der Jahrhunderte sind Pfarreien, Bistümern und anderen kirchlichen Einrichtungen vor allem durch Schenkungen und Stiftungen Vermögenswerte in Form von Grund-, Sach- und Geldvermögen zugefallen. Diese Vermögen haben allerdings eine Zweckbindung, die der Schenker/Stifter festlegt. Dies können gottesdienstliche Zwecke, Gehalts- und Unterhaltszahlungen sowie die Glaubensausübung und Dienste am Nächsten sein.

Ein Großteil des kircheneigenen Vermögens, wie z.B. Kirchengebäude und Friedhöfe, haben zwar einen hohen ideellen Wert, die Sachwerte sind dagegen deutlich geringer; auch werfen diese Vermögenswerte keine Erträge ab. Dies gilt auch für Pfarrhäuser, Gemeindezentren, Kindergärten, Schulen, Bildungshäuser sowie Alten- und Pflegeheime. Die Erträge aus vermieteten Immobilien und Finanzanlagen werden zur Erfüllung kirchlicher Aufgaben eingesetzt.

Welche Vermögensträger bzw. Körperschaften gibt es im Bistum Aachen?

Das Bistum Aachen ist in viele einzelne Rechtsträger gegliedert, die jeweils eine eigene Verantwortlichkeit für ihr Vermögen haben. Die eigenständigen Rechtsträger sind im Wesentlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts. Dazu zählen das Bistum Aachen, der Bischöfliche Stuhl, das Domkapitel, die Pfarreien und Kirchengemeindeverbände. Neben dem Rechtsträger Bistum Aachen, dem Bischöflichen Stuhl und dem Domkapitel gibt es derzeit etwa 332 rechtlich selbständige Pfarreien und 48 Kirchengemeindeverbände. Alle diese Rechtsträger sind Eigentümer eines eigenen kirchlichen Vermögens.

Warum braucht das Bistum ein Sondervermögen zur Altersversorgung?

Das Bistum Aachen hat ein Sondervermögen zur Altersversorgung von Priestern und Laienbediensteten im Bistum Aachen angelegt. Der Unterhalt der Priester gehört zu den besonderen Verpflichtungen des Bischofs. Bei der Besoldung der Priester geht es weniger um die Bezahlung der geleisteten Dienste, sondern um die Gewährung eines angemessenen Unterhalts.

Zur Sicherung der Altersversorgung der Priester zahlt das Bistum keine Beträge in die öffentliche Rentenkasse ein, sondern leistet die Pensionszahlungen aus eigenen Mitteln.

Ähnliches gilt für weitere Berufsgruppen im kirchlichen Dienst, z.B. für Lehrpersonal an Bischöflichen Schulen, die eine den Staatsbeamten ähnliche Altersversorgung erhalten. Dies ist durch das Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen geregelt.

Der Gesetzgeber fordert, dass das Bistum ein Sondervermögem anlegt, um die zukünftigen Pensionsverpflichtungen für diese Berufsgruppen abzusichern.

Wozu braucht die Kirche noch Stiftungsmittel und Spenden?

Der Stiftungsgedanke hat eine jahrhundertealte Tradition. Bereits im Mittelalter wurden Stiftungen eingerichtet, deren Erträge für bestimmte, meist soziale oder gemeinnützige Zwecke zu verwenden waren. Spender oder Stifter können ihren finanziellen Beitrag zielgerichtet für ganz konkrete Projekte und Aktionen zur Verfügung stellen.

Die Stiftung unterliegt einer besonderen Aufsicht, auch und insbesondere in Hinblick auf die Einhaltung und Umsetzung des Stifterwillens. Auch die Verwendung von Spenden unterliegt klaren gesetzlichen Regeln. Vornehmlich die großen Hilfswerke der Kirchen, wie beispielsweise Misereor, finanzieren weltweit Entwicklungsprojekte über Spenden und stehen damit im Wettbewerb zu zahlreichen großen und kleineren gemeinnützigen Organisationen. Häufig werden über Spenden und Stiftungserträge Bereiche in der pastoralen Arbeit der Kirche gefördert, die nicht oder nicht in ausreichendem Maße aus Kirchensteuermitteln finanziert werden könnten, beispielsweise Renovierung von Kirchenorgeln und Arbeitslosenprojekte.

Wie ist das Bistum Aachen gegliedert?

Das Bistum Aachen setzt sich aus 8 Regionen und 71 Gemeinschaften der Gemeinden mit insgesamt 332 Pfarreien zusammen.

Eine Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) gestaltet in ihrem Territorium gemeinschaftlich die kirchlichen Angebote und Aufgaben.