Die Zeiten verändern sich

Bischof Helmut Dieser suchte den Austausch mit 100 Gemeindereferentinnen und -referenten

Die Zeiten verändern sich Nachricht (c) Thomas Hohenschue
Die Zeiten verändern sich Nachricht
Di 13. Nov 2018
Thomas Hohenschue
Der Bistumsprozess „Heute bei dir“ ist angelaufen, bindet viele Kräfte.

 Was haben hauptberufliche pastorale Mitarbeiter an Erfahrungen, Sichtweisen und Ideen einzubringen? Diese Frage dominierte das erste Zusammentreffen von Bischof Helmut Dieser mit der Vollversammlung der Gemeindereferentinnen und -referenten.

100 Frauen und Männer begegneten dem Bischof im Nell-Breuning-Haus. In sechs Runden erörterten sie zentrale Fragen des Prozesses. Helmut Dieser erwies sich in diesen Situationen als aufmerksamer Zuhörer, der wissen wollte, was ihm seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Alltagssituationen und Einschätzungen mitzuteilen haben.

 

Volkskirche geht zu Ende

Umrahmt waren diese zehnminütigen Gruppengespräche, die meist aufhören mussten, als es am schönsten war, von Statements des Bischofs – einerseits als Eingangsimpuls, andererseits als Antworten auf Fragen, die ihn erreichten. Hier setzte Helmut Dieser in deutlicher Sprache Marken, wohin für ihn die Reise im Bistum Aachen geht, insbesondere mit Blick auf das pastorale Personal. Auch wurden Leitvorstellungen sichtbar, die für ihn bedeutsam sind – und zwar unabhängig vom Prozess. Eingangs skizzierte er noch einmal die Ausgangspunkte für „Heute bei dir“. Die Zeiten hätten sich verändert und er habe das Gefühl: „Darauf haben wir uns noch nicht so recht in der Pastoral eingestellt.“ Die Volkskirche gehe zu Ende, es brauche eine neue Begründung, warum man heute Christ werde. Das zeitgeistige Klima habe sich verändert, die Säkularisierung sei öffentlich wie privat vollzogen. „Es ist heute normal, ohne die Frage nach Gott zu leben, auch gut und anständig zu leben.“

Gefragt sei das authentische Zeugnis aller Christen, warum sie Jesus nachfolgen. Das erwarte er auch und gerade vom pastoralen Personal. „Wir müssen Zeugnis geben aus der eigenen Entschiedenheit heraus“, betonte Bischof Dieser. Ohne den Gestus der eigenen moralischen Überlegenheit, vorurteilsfrei, nicht wertend, suchend und lernend mit den Menschen ins Gespräch kommen, sei der Weg, den das Bistum Aachen nun mit dem Prozess einschlage. Und dieses Zuhören müssten alle so lange ausüben, bis das, was als Ergebnis herauskommt, nicht spalte, sondern zusammenführe, so dass es etwas Gemeinsames sei. „Der Prozess ist ein Abenteuer, auf das wir uns einlassen.“ Das ganze Bistum sei beteiligt, nicht nur kleine Gruppen: „Das wäre auch gefährlich und etwas Falsches.“ Keiner habe bereits die Lösung, alles müsse im Gespräch gelten dürfen. Bischof Dieser nutzte die Gelegenheit, um einige Dinge klarzustellen. Zum einen in der Frage, ob nun eine missionarische Ausrichtung der Kirche richtig sei oder eine diakonische. Für ihn sei das gleichrangig, bekannte er, das eine sei ohne das andere nicht zu denken, auf Augenhöhe. Zugleich entfaltete er seine Vision, die Menschen neu auf den Sonntag hin zu orientieren, auf die gemeinsame Feier, auf den eucharistischen Anschluss an Tod und Auferstehung Christi. „Für uns ist der Sonntag nicht ein Fragezeichen“, betonte der Bischof.

 

Amtskirche sind alle

Bewusst nicht im Raum stehen lassen wollte Dieser den Begriff „Amtskirche“. Er sieht seine pastoralen Mitarbeiter als Teil von Amtskirche, möchte keinen Gegensatz. „Ich möchte nicht in der Hierarchie vereinsamen. Da gehöre ich nicht hin, und Sie gehören da auch nicht hin.“ Gemeinsames Ziel müsse sein, dass die Menschen „im vollen Sinne katholisch“ werden können.